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🇩🇪 LEUTE, ICH BIN SCHOCKIERT!
Ich habe gerade meine erste Steuererklärung mit dem thailändischen Finanzamt hinter mir. Und ich verspreche euch: das hier ist eine ganz andere Welt.
Lest selbst.
Ich lebe seit anderthalb Jahren in Thailand. Meine Firma sitzt in Hongkong. Hongkong nutzt Territorialbesteuerung. Was außerhalb der Stadt verdient wird, wird mit null Prozent besteuert. Legal, sauber, offiziell. Deshalb sitzt halb Asien dort.
Aber ich lebe nicht in Hongkong. Ich lebe in Thailand. Also musste ich hier eine Steuererklärung machen.
Und ab hier wird es wild.
SCHRITT EINS: STEUERBERATER FINDEN.
In Deutschland eine eigene Disziplin. Wartelisten von zwei Jahren. "Wir nehmen dieses Jahr keine Neukunden auf, melden Sie sich gerne 2027 nochmal." Du flehst den Steuerberater deines Bruders an dich auf eine Empfehlungsliste zu setzen.
In Thailand? Kumpel gefragt. Nummer bekommen. Samstag Abend Mail geschrieben. Drei Sätze, mehr nicht.
Sonntag Vormittag kam die Antwort.
SONNTAG.
Eine einzige Frage stand drin.
Eine.
Wie viel gibst du im Monat aus?
Ich las die Mail zwei Mal. Mein deutsches Hirn fing an zu zucken.
In Deutschland geht so eine Mail anders los. "Bitte senden Sie uns: sämtliche Belege der letzten zwölf Monate, Lohnsteuerbescheinigung, Kapitalertragsbescheinigung, Werbungskosten tabellarisch, Krankenkassenbescheinigungen, Spendenquittungen, Handwerkerrechnungen, Aufstellung außergewöhnlicher Belastungen, sowie eine Übersicht aller in- und ausländischen Konten mit Stichtagsbeständen."
Hier? Wie viel gibst du im Monat aus.
Nicht was ich verdiene. Nicht meine Konten. Nicht ob ich Krypto halte.
Der Grund ist absurd einfach. In Thailand wird nur das Einkommen versteuert das du tatsächlich ins Land reinbringst. Bleibt das Geld in Hongkong, kein Steuerthema. Wise-Karte am Bangkoker Bankomat 1.000 Baht abheben? Reingebracht. Miete vom deutschen Konto? Reingebracht. Restaurant mit Revolut? Reingebracht.
Also nannte ich eine Zahl. Eine. Monatliche Lebenshaltung.
JETZT KAM DER ECHTE SCHOCK.
Ich schrieb zurück: Aber will das Finanzamt nicht meine Kontoauszüge sehen? Belege? Wise-Historie? Restaurantquittungen aus den letzten zwölf Monaten?
Antwort: Nein.
Eine deutsche Steuerprüfung läuft so ab. Der Finanzbeamte will Belege aus 2018 sehen. Du sitzt in einem klimatisierten Büro mit deinem Berater und einem Aktenordner. Du erklärst warum du im März 2019 für 47 Euro essen warst. Der Beamte schreibt mit. Du schwitzt durchs Hemd.
In Thailand? Eine Zahl. Email. Fertig.
Keine Prüfung. Keine Belege. Kein Brief drei Jahre später mit höflicher Bitte um Rechnungen aus 2023. Kein Aktenzeichen das aussieht wie eine Schiffsregistrierung.
Ich überwies die Rechnung meines Steuerberaters. Schickte ihm Reisepass-Kopie, Visa und Mietvertrag. Mehr Unterlagen wollte er nicht.
In Deutschland brauchst du allein für die Anmeldung als Selbstständiger sieben Formulare. Hier: Pass, Visa und Mietvertrag.
Am siebten Tag kam die Mail. Anhang: ein QR-Code. Im Text: 17.000 Baht.
17.000 Baht? 450 Euro!
Für das gesamte Jahr 2025?
Meine letzte deutsche Steuerlast lag zwischen 70.000 und 80.000 Euro.
Ich rechnete dreimal nach. Schrieb meinem Berater zurück: Bist du sicher? Ich habe nichts vergessen?
Antwort: Alles korrekt.
Dann fragte ich wie ich das überweise. Bank, IBAN, Verwendungszweck mit Steuernummer und Veranlagungszeitraum.
Antwort: Geh zum 7-Eleven.
Ich las die Mail drei Mal.
Seven. Eleven.
ZUM KIOSK.
Bin also in den nächsten Laden gegangen. Stand zwischen Wasserregal und Zigarettenregal. Zeigte dem Verkäufer den QR-Code. Er scannte. Piep. Ich legte die Scheine auf den Tresen. Bekam Wechselgeld und einen Bon.
Steuern in Thailand offiziell bezahlt. An der Kasse.
ZUM VERGLEICH:
Deutschland: 70.000 bis 80.000 Euro. Plus Soli bevor er fiel. Plus Krankenkasse die sich anfühlt wie eine zweite Steuer. Plus Steuerprogramm. Plus Berater. Plus Belegsammlung. Plus das Gefühl im Nacken dass dich jederzeit ein blauer Brief erreichen könnte.
Thailand: 450 Euro. Am Kiosk.
Ich erzähle das weil ich selber zwei Jahre gebraucht habe um zu glauben, dass Systeme anders funktionieren können. Wir wachsen mit der Annahme auf dass der Staat im Nacken sitzen muss. Dass Steuern wehtun müssen. Dass Bürokratie dazugehört wie das Wetter. Dass Kontoauszüge ein Naturgesetz sind.
Sie sind es nicht.
Auswandern ist trotzdem keine Lösung für jeden. Hongkong-Firma sauber gründen, Wohnsitz wechseln, deutsche Rückkehrabsicht klären, ein Jahr Aufbau bis das System steht. Das ist kein Klick auf einen Button.
Aber es existiert.
Während ich das tippe sitzen Leute in Berlin und Brüssel und überlegen wie hoch der Spitzensatz noch steigen darf bevor die letzten Leistungsträger das Land verlassen. Sie schreiben Papiere darüber. Sie machen Talkshows. Sie nennen es Gerechtigkeit.
Ich habe heute am 7-Eleven bezahlt.
17.000 Baht. 450 Euro für das Jahr 2025.