Benedikt Kaiser@benedikt_kaiser
Noch ein notwendiger kleiner Ungarn-Nachtrag:
Wir sehen heute, dass das Scheitern von Wilders und Orbán u.a. auch belegen dürfte, dass der selbst gewählte Vorrang außenpolitischen Glamours – internationale Shows, MAGA-Nachahmung, Eventisierung der Politik – innerhalb des europäischen Rechtspopulismus an sein Ende gelangt ist.
In Krisenzeiten sind konservative und rechte Wähler (neben der Migrationsproblematik) an materiellen Fragen, an Brot-und-Butter-Themen also, interessiert. Ob Netanjahu ein Grußwort spricht, Trump einen Tweet absetzt oder Milei sich fanatisch-ekstatisch für einen Kandidaten ausspricht …
… wen juckt das, mit Verlaub, wenn die Inflation das bescheidene Eigentum auffrisst, die Korruption den Leistungswillen senkt, die Kriege, deren Urheber man selbst als „Partner“ feiert, die Lebenshaltungskosten explodieren lassen?
Auch Meloni droht dieses Schicksal nach Wilders und Orban. Natürlich: Sie sorgt für bella figura auf internationalem Parkett, sie hat Italien in Nah- und Mittelost wieder auf die Bühne gehoben, sie präsentiert Rom ganz ausgezeichnet international. Aber zuhause? Da bröckelt ihr Fundament, da wenden sich klassische Rechtswähler anderen Rechtsparteien oder gar der Sozialdemokratie zu.
Wenn nach Wilders und Orbán auch Meloni wackelt, erleben wir es endgültig auch für Deutschland aufgezeigt: Mitte-Rechts ist überholt, der klassische westorientierte Rechtskonservatismus als Trumpismus-Populismus findet zunehmend sein organisches Ende.
Zurückhaltender formuliert ist zumindest klar: Daraus entsteht nichts Großes (mehr) für die Völker in Europa.