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Tobi
@treckertobi
gerne Digital unterwegs - beruflich rund um Giro & Payment 💸 bei der @Spk_Holstein, privat auch in der Landwirtschaft 🚜 oder auch mal analog an der Ostsee 🌊
Hamburg, Deutschland เข้าร่วม Ağustos 2010
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Wenn du 214 Millionen Euro in eine App investierst die am Ende in den "Ruhemodus" versetzt wird, was passiert dann?
In der Privatwirtschaft bekommst du einen Karton für deinen Schreibtisch, im öffentlichen Sektor bekommst du den nächsten Großauftrag.
SAP und Telekom bauen jetzt die "Bürger-App", dieselben Konzerne, dasselbe Team, ohne Ausschreibung. Ein Rahmenvertrag aus dem "Kaufhaus des Bundes" reicht, klingt wie ein Outlet-Center für gescheiterte IT-Projekte und ist es im Grunde auch.
Ob sie das beste Angebot haben weiß niemand, weil niemand ein anderes gesehen hat. Die formale Ausschreibung soll "irgendwann folgen", aber zu dem Zeitpunkt sitzt SAP-Technologie so tief in der Plattform dass ein Wechsel teurer wäre als das gesamte Projekt.
Und hier wird es richtig absurd: Dasselbe Ministerium predigt seit Monaten Open Source und digitale Souveränität, openDesk, ZenDiS, der ganze Apparat der dafür aufgebaut wurde dass Deutschland sich unabhängig macht von proprietären Großkonzernen.
Und dann wird das Vorzeigeprojekt der Legislatur auf der proprietären SAP Business Technology Platform gebaut. Die Open-Source-Jünger durften die Pressemitteilungen schreiben, den Auftrag haben SAP und Telekom bekommen. Wir reden Open Source und kaufen proprietary, wir fordern digitale Souveränität und liefern uns an zwei DAX-Konzerne aus.
Dieses Land will keinen Fortschritt, es will das Bestehende bewahren und neue Etiketten draufkleben. Das ist auch in Ordnung, dann muss man das aber mal sagen anstatt sich ständig in die eigene Tasche zu lügen.
Die Kommunen erfahren davon übrigens aus dem Handelsblatt, weil der Minister die App in einem Nebensatz auf einer Konferenz angekündigt und damit sein eigenes Ministerium überrascht hat. Wenn dein Auftragnehmer besser informiert ist als deine eigene Abteilung, nennt man das in der Privatwirtschaft ein Problem und in der Bundesregierung Dienstag.
Für alle, die es vergessen haben, hier nochmal die Timeline des Grauens:
2020: Bund beauftragt SAP und Telekom mit der Corona-Warn-App, 68 Millionen Euro für eine App die einen Bluetooth-Abstand misst. Drei Wochen später funktioniert sie auf iPhones nicht, SAP und Telekom schieben es auf Apple, bis sich rausstellt dass der Fehler bei ihnen lag. In der Softwareentwicklung nennt man das einen Bug, in der Kommunikationsabteilung eines DAX-Konzerns "betriebssystembedingte Einschränkungen."
2021: Am Ende stehen 214 Millionen Euro für eine App deren Wirksamkeit per Design nicht messbar ist, weil sie aus Datenschutzgründen nicht erfassen kann ob jemals eine Warnung angekommen ist. Das ist wie ein Fitnesstracker der keine Schritte zählt aber trotzdem ein Abo kostet.
2023: App wird in den "Ruhemodus" versetzt, wie ein Bildschirmschoner für 214 Millionen Steuergelder. Falls das Virus nochmal anruft.
2026: Dieselben Konzerne bekommen den Auftrag für die "Bürger-App." Prototyp im April, "lernende KI-Agenten", eID-Pflicht die 93 Prozent der Deutschen nicht aktiviert haben. Keine Ausschreibung weil Rahmenvertrag, keine Konkurrenz weil Zeitdruck. Nur dass es hier um Verwaltungsdigitalisierung geht und nicht um eine Pandemie.
Wo genau war nochmal der Zeitdruck?
Ich habe die Timeline ab 2027 fiktiv erweitert. Wetten werden noch angenommen.
2027: Erste Workshops, 47 Stakeholder, 12 Unterarbeitsgruppen, ein Lenkungskreis und ein Steuerungskreis der den Lenkungskreis steuert. Der Steuerungskreis hat einen eigenen Steuerungskreis, der heißt "Steuerkreis-Koordinierungsgremium."
2028: Pilotprojekt in sechs Kommunen, Schnittstelle zum Fachverfahren funktioniert in keiner davon. Eine weitere Kommune aus Bayern "steht noch aus", vermutlich bis die App im Ruhemodus ist.
2029: Budget verdoppelt. Der KI-Agent hat gelernt dass 90 Prozent aller Verwaltungsprozesse einen Stempel brauchen und leitet den Bürger automatisch ans Bürgeramt weiter. Mit Terminbuchung, der Termin ist in acht Wochen.
2030: Relaunch, neues Logo für 800.000 Euro, "2.0" im Titel. Die Ausschreibung die "noch folgen" sollte ist gegenstandslos, wie von Anfang an geplant.
2031: Evaluationsbericht, "wichtige Erkenntnisse gewonnen." Budget dreistellig in Millionen, aktive Nutzer vierstellig. Die App wird in den Ruhemodus versetzt. Dasselbe Team bekommt den nächsten Auftrag.
Ich berate Behörden bei der Digitalisierung und ich sehe jeden Tag was funktioniert und was nicht.
Das Problem ist nicht die Technik, nicht die KI und auch nicht die Komplexität. Das Problem ist die Überzeugung dass Größe gleich Qualität bedeutet.
Zwei DAX-Konzerne, also muss es gut werden.
Die Vergangenheit hat mehrfach das Gegenteil bewiesen, die Corona-Warn-App, das beA der Bundesrechtsanwaltskammer, die elektronische Gesundheitskarte, das De-Mail-Desaster, alles Großprojekte von Großkonzernen mit großen Budgets und großem Scheitern.
Die besten digitalen Verwaltungslösungen die ich kenne kommen nicht von Konzernen mit 100.000 Mitarbeitern, sie kommen von kleinen Teams die ein Problem verstehen und es lösen, ohne Lenkungskreis, ohne Steuerungskreis und ohne Koordinierungsgremium.
Aber die haben halt keinen Rahmenvertrag im "Kaufhaus des Bundes."
Deutschland gibt lieber 214 Millionen Euro aus um zu beweisen dass Digitalisierung nicht funktioniert als 20 Millionen um zu beweisen dass sie es tut. Wir scheitern nicht an der Komplexität, wir scheitern am Willen.
Und solange sich das nicht ändert, können SAP und Telekom bauen was sie wollen, am Ende steht der Bürger im Bürgeramt und zieht eine Nummer.

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Okay, ich gebe zu, für den ein oder anderen war das doch etwas zu hoch.
So sollte es jeder verstehen können:

Maximilian Vitz🗽⚡️@vitz_maximilian
Das sollte es vielleicht an jeder Tankstelle geben. Dann verstehen es auch die letzten.
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Da soll nochmal jemand sagen dass man mit Handwerk kein Geld verdienen kann! #Sparkasse #Gelsenkirchen #Bohrer



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