
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Freund von Entschleunigung bin. Aber heute war alles anders. Ich hatte heute morgen sehr, sehr viele Termine in #Bremen. An den unterschiedlichsten Orten.
Unser Bremen ist ja eine wunderschöne Stadt, aber verkehrstechnisch normalerweise so übersichtlich wie ein Kabelsalat hinter der HiFi-Anlage. Wenn man von Huchting nach Lesum will, danach ins Büro in die Innenstadt, dann zu Mercedes in Sebaldsbrück, dann kurz nach Oberneuland, wieder zurück in die City und schließlich noch rüber auf die Südseite der Weser – dann plant man dafür im Normalfall etwa drei bis vier Werktage ein. Man packt Proviant ein, schreibt sein Testament und verabschiedet sich von seinen Liebsten.
Aber heute? Heute war es, als hätte jemand die Stadt mit Gleitmittel eingerieben. Ich glitt durch Bremen-Nord und Sebaldsbrück, Oberneuland flog an mir vorbei wie eine Postkarte, die Weserüberquerungen waren auch null Problem.
Ich saß am Steuer und dachte: „Was ist hier los? Hast Du versehentlich die Raumzeit gekrümmt? Bist Du in einer Parallelwelt gelandet, in der alle Bremer gleichzeitig beschlossen haben, heute einfach mal nicht im Weg zu stehen?“
Und dann sah ich sie. Oder besser gesagt: Ich sah sie nicht. Die Straßenbahnen. Die Busse. Nichts. Stille an den Haltestellen. Ein großes, kollektives Nichts auf Schienen:
ÖPNV-#Streik.
Tja. Wir denken ja immer, Streiks seien dazu da, alles lahmzulegen. Wir stellen uns vor, wie die Welt knirschend zum Stillstand kommt, wenn die Busfahrer die Schlüssel weglegen. Aber in Bremen passierte heute das genaue Gegenteil. Es war, als hätte man aus einer verstopften Nase den Korken gezogen.
Ohne die Busse, die sich wie riesige, gelbe Wale durch die engen Gassen schieben, und ohne die Straßenbahnen, die mit der Autorität eines preußischen Beamten alles schneiden, was ihren Weg kreuzt, war da plötzlich: Platz.
Und dann waren da noch die Leute im Homeoffice. Die Helden des digitalen Zeitalters. Sie saßen zu Hause in ihren Schlafanzughosen, starrten in Videokonferenzen und trugen so maßgeblich dazu bei, dass ich auf der Kaisenbrücke nicht mein drittes Frühstück einnehmen musste.
Ich kurbelte das Fenster runter, atmete die ungewohnt abgasarme Luft ein und flüsterte leise in Richtung des Gewerkschaftshauses: „Bitte... macht weiter so. Hört nicht auf zu streiken. Wenn das so weitergeht, schaffe ich es heute sogar noch rechtzeitig zum Mittagessen.“ Und das ist ja bekanntlich der wichtigste Termin des Tages. ;-)
Es ist schon paradox: Der #ÖPNV streikt, damit sich was bewegt… und bei mir hat es tatsächlich funktioniert. Ich bin heute so schnell durch Bremen gekommen, dass ich zwischendurch kurz überlegt habe, aus reinem Übermut noch mal nach Bremerhaven zu fahren. Aber man soll sein Glück ja nicht strapazieren. Am Ende fängt der Streik richtig an zu wirken und ich bin plötzlich ganz allein auf der Autobahn.
Das wäre dann doch irgendwie unheimlich, oder?

Deutsch














