
Dani am Rande des Wahnsinns
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Dani am Rande des Wahnsinns
@DaniNeu8
Bücherei und Kaffeetante. Autismus- und ADHSfamilie mit dem Liebsten, dem Weltallteenie (’07), dem Superhelden (’10) und den Überraschungs-Zwillingen (’21).















Alle sagen: „Warum hast du dir keine Hilfe geholt?“ Niemand fragt: „Was passiert, wenn man es tut?“ Letzte Woche war ich selbst in der psychiatrischen Notaufnahme. Nicht weil ich musste, sondern weil ich verstanden habe, dass ich Hilfe brauche. Ich habe meine Situation ruhig und klar erklärt: Ich lebe seit Jahren mit Depression, habe gelernt, mit körperlichen Symptomen umzugehen, aber die psychische Seite entgleitet mir gerade. Ich bin kein Neuling im System – ich war bereits mehrfach in Psychosomatik und geschlossener Psychiatrie. Ich weiß, wie es dort abläuft. Ich habe gesagt, dass ich Mutter und Pflegeperson eines schwerbehinderten Kindes bin, dass meine familiäre Situation angespannt ist und ein stationärer Aufenthalt nicht nur Hilfe, sondern auch das reale Risiko bedeutet, mein Kind zu verlieren. Trotzdem habe ich um Unterstützung gebeten, weil ich allein diesmal nicht mehr schaffe. Der Arzt hat verstanden, dass ich sofort Hilfe brauche, und sogar eine Tagesklinik vorgeschlagen. Ich dachte, diesmal funktioniert es. Eine Woche später kam der Anruf: Warteliste, Personalmangel, keine direkten Aufnahmen von der Straße. „Halten Sie noch ein paar Monate durch.“ Und zum Schluss: „Wenn es schlimmer wird, rufen Sie den Notdienst.“ Das ist der Moment, über den kaum jemand spricht. Denn wenn später etwas passiert, fragen alle: „Warum hast du dir keine Hilfe gesucht?“ Ich habe sie gesucht. Und gelernt: Hilfe existiert auf dem Papier, aber nicht, wenn man sie wirklich braucht. Das System ist nicht flexibel. Es verlangt, dass man funktioniert, wartet und sich anpasst. Doch genau das kann ein Mensch in einer akuten depressiven Phase nicht. Aus letzten Lebenskräften versuche ich da zu sein und zu kämpfen. Aber ich merke, wie ich wie ein sterbender Stern heller leuchte, bis ich komplett ausbrenne.










