
Hans Gilch
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Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Schneider (.@schneidercar) Ihre Forderung nach „absoluter Vorfahrt für die Erneuerbaren“ und schnellerem Leitungsausbau klingt auf den ersten Blick logisch – übersieht aber die harte Realität des Stromnetzes. Wir haben bereits viel zu viel fluktuierende Erzeugung aus PV und Windkraftanlagen, die dank EEG-Vorfahrtsrecht (§ 11 ff.) ungehindert einspeisen dürfen. Das führt genau zu den Problemen, die Sie mit mehr Leitungen lösen wollen. Mehr Netz allein behebt jedoch nichts – solange die Erzeugung ungebremst weiterläuft, verschärft es die Lage sogar. 1. Zu viel ungehindert eingespeister Strom an sonnigen und windreichen Tagen Allein die Photovoltaik liegt bei über 117 GW installierter Leistung (Rekordzubau 2025). Dazu kommen Wind an Land und Offshore. An sonnigen/windreichen Tagen (wie Ostermontag 2026) übersteigt die Produktion die Nachfrage massiv. Ergebnis: negative Strompreise (2026 bereits 573 Stunden mit Minuspreisen bis über –300 €/MWh). Wir „verschenken“ den Überschuss ins Ausland – oder müssen abregeln. Der Steuerzahler zahlt trotzdem. 2. Abregelung – und trotzdem volle Förderung Netzbetreiber müssen Erneuerbare abregeln, wenn Netz oder Frequenz kippen. Die Kosten dafür lagen 2025 bei rund 435 Mio. €. Viele Anlagen erhalten trotz Abregelung weiterhin ihre EEG-Förderung. Der Staat musste 2025 ca. 16,5 Mrd. € zuschießen, um die Differenz zwischen Börsenpreis und garantierter Vergütung auszugleichen. Der Steuerzahler finanziert also doppelt: den Überschuss, den niemand braucht, und die Abregelung. 3. Das eigentliche Problem: Erzeugung muss endlich der Nachfrage folgen Strom lässt sich nicht beliebig speichern. Die Idee, mit riesigen Batterieanlagen den Überschuss zu puffern und später zu nutzen, scheitert schlicht an der volkswirtschaftlichen Realität – wie die beigefügte Grafik „DEUTSCHLAND-BATTERIE“ eindrucksvoll zeigt. Die Grafik rechnet ein realistisches Batteriesystem durch (Kosten ca. 250 €/kWh, 5 kg/kWh), das die benötigten 40 GW (nach Abzug von Biomasse- und Wasserkraft von der Durchschnittsleistung von 50 GW) über verschiedene Zeiträume speichern soll: Das sind Beträge in Höhe mehrerer Bundeshaushalte – nur für die Batterien (ohne Netzanschluss, Installation, Wartung und Entsorgung). Und selbst diese gigantischen Anlagen müssten kontinuierlich mit Leistung geladen werden – nicht erst, wenn „zufällig zu viel Strom“ da ist. Sie brauchen eine stabile, permanente Ladeinfrastruktur und verursachen zusätzliche Verluste (Wirkungsgrad 80–90 %). Die Vorstellung, man könne einfach „Überschussstrom“ in riesige Speicher kippen und später wieder abrufen, ist technisch und wirtschaftlich illusorisch. Es darf nur so viel Strom erzeugt werden, wie tatsächlich gebraucht wird. Die ungebremste Vorfahrt für Erneuerbare ohne Rücksicht auf Nachfrage und Netzstabilität ist der Kern des Problems. Statt noch mehr unreguliertem Zappelstrom brauchen wir systemdienliche Erneuerbare mit echter Marktintegration und vor allem einer ehrlichen Kopplung von Erzeugung an den realen Bedarf. Der Leitungsausbau ist wichtig – aber kein Freifahrtschein für weitere ungebremste Überproduktion auf Kosten des Steuerzahlers. Mit freundlichen Grüßen Ein Bürger, der die Stromrechnung, die SMARD-Daten und die Grafik „DEUTSCHLAND-BATTERIE“ gesehen hat. (Quellen: Bundesnetzagentur, netztransparenz.de, Agora Energiewende, SMARD, EEX – alle öffentlich einsehbar)







































