💙💛 Regina Laska@Sunnymica
August 2024. Russlands Außenminister Lawrow ruft Péter Szijjártó, Ungarn Außenminister an. Nicht wegen der Ukraine. Nicht wegen eines Waffenstillstands. Nicht wegen irgendeiner Krise.
Lawrow ruft an, weil ihn ein russischer Oligarch um eine Gefälligkeit geben hat. Logisch. Was sonst!
Der Mitschnitt stammt von einem Geheimdienst eines NICHT namentlich genannten EU-Mitgliedstaats, der Szijjártós Telefonate abgehört hat.
Das Transkript des Gesprächs auf Deutsch:
Szijjártó: Hallo, Sergej. Hier ist Péter.
Lawrow: Ja, Péter.
Lawrow: Bist du in Sankt Petersburg? Wo bist du?
Szijjártó: Ich bin bereits in Budapest gelandet, vor etwa einer Stunde.
Lawrow: Ach, schon. Du warst heute in allen russischen Medien.
Szijjártó: Habe ich etwas Falsches gesagt?
Lawrow: Nein, nein, nein. Die haben nur gesagt, dass du pragmatisch für die Interessen deines Landes kämpfst.
Szijjártó: Oh, nun ja – das ist eine, sagen wir, nette Analyse der Lage.
Lawrow: Schön ausgedrückt. (lacht)
Szijjártó: Ja, und fair.
Lawrow: Und fair, und fair. Schau, ich rufe auf Bitte von Alisher an, und er hat mich gebeten, dich daran zu erinnern, dass du dich um eine Angelegenheit seiner Schwester kümmerst.
Szijjártó: Frau Ismailova?
Lawrow: Ja.
Szijjártó: Die Sache ist die folgende: Zusammen mit den Slowaken reichen wir bei der Europäischen Union einen Antrag ein, sie von der Liste zu streichen. Wir werden ihn nächste Woche einreichen, und sobald die neue Überprüfungsperiode beginnt, wird es auf die Tagesordnung kommen – und wir werden unser Bestes tun, um sie herauszubekommen.
Lawrow: Vielen Dank. Er würde sich wirklich sehr freuen. Er macht sich ernsthafte Sorgen um seine Schwester – du kannst das verstehen.
Szijjártó: Ich weiß.
Lawrow: Und wir schätzen deine Unterstützung und deinen Kampf für Gleichheit in allen Bereichen sehr.
94 Sekunden. Kein diplomatisches Protokoll, kein Dolmetscher, einfach zwei Außenminister, die Oligarchengeschäfte erledigen.
Weil Alisher Usmanow ihn darum gebeten hat.
Ist ja auch irgendwie wichtig. Logo.
Usmanow – das ist übrigens der russisch-usbekische Oligarch mit Villen am Tegernsee, der weltgrößten Privatyacht „Dilbar“ und einem Vermögen von rund 15 Milliarden Dollar. Laut EU-Sanktionsbeschluss gilt er als einer der von Putin „besonders favorisierten Oligarchen“, der als Strohmann für den Präsidenten gedient und dessen Vermögen verwaltet haben soll. Putin verlieh ihm 2018 einen Verdienstorden. Usmanow steht auf der EU-Sanktionsliste – und seine Schwester Gulbakhor Ismailova auch, weil er Vermögenswerte formal auf sie übertragen hatte, um sie dem Behördenzugriff zu entziehen.
Es geht also um die Schwester. Und um ihr Geld. Das eigentlich Putin gehört oder besser: das er sich unter die Krallen gerissen hat.
Jetzt, im März 2026, meldete die dpa: Ungarn und die Slowakei haben wieder einmal wochenlang alles bei der EU blockiert – diesmal für Usmanow selbst.
Das Ergebnis: Die Sanktionen gegen rund 2.600 Personen wurden nur um sechs statt zwölf Monate verlängert. Ein „Kompromiss.“ So nennt man das inzwischen in der EU.
Orbáns Ungarn ist kein schwieriger Partner. Es ist der russische Auslandsgeheimdienst mit EU-Mitgliedschaft und einer Lizenz zum Töten von Sanktionen, Glaubwürdigkeit, Sicherheit.
Der Mitschnitt beweist – der Auftrag wird erfüllt. Und die EU hat geliefert.
Dass Szijjártó im selben oder einem anderen Telefonat Lawrow auch noch live aus der EU-Ratssitzung vom Vortag berichtete – darum ging es schon vor ein paar Tagen. Der Oligarchenauftrag war also nicht mal der einzige Skandal.