Theo Anders
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Theo Anders
@theo__anders
Redakteur Innenpolitik & Chronik - DER STANDARD/ Koordination UniStandard

Desinformation ist in aller Munde. Ich möchte am Beispiel eines Artikels von Frau Tomaselli im @derStandardat "Geistige Landesverteidigung: Der stille Vormarsch des Bundesheers im Schulwesen“ vom 9. Dezember darstellen, wie Desinformation funktioniert und wie das Einfließen einer persönlichen Meinung in einem scheinbaren objektiven Artikel zu unsauberem und wertendem Journalismus führt. Leider hat weder der CR noch die Redakteurin auf meine E-Mail reagiert. Frau Tomaselli schreibt: „Im Sommer 2023 sorgte der neue Einsatzort zweier Offiziere für Verblüffung und Empörung. Nicht in Kasernen, sondern innerhalb der Schulbuchkommission sollten diese künftig ein Wörtchen mitzureden haben.„ Wahr ist: Offiziere sind bei der Approbation von Schulbüchern eingesetzt, um inhaltliche Fehler, zb. Auslandseinsätze betreffend zu korrigieren. Wir „reden als kein Wörtchen mit“, sondern wir verhindern falsche Inhalte. Frau Tomaselli schreibt: „Doch nicht nur das: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und Ex-Bildungsminister Martin Polaschek wollten mehr Menschen aus dem Bundesheer für den Quereinstieg an Schulen begeistern.“ Wahr ist: Milizoffiziere oder Berufssoldaten, die dafür die Voraussetzungen (Studium) haben, wurden ausdrücklich ermuntert, sich für den Schuldienst zu bewerben. Frau Tomaselli schreibt: „Und dann waren da noch die neuen Lehrpläne, in denen die "geistige Landesverteidigung" verankert – und eben auch von genannten Offizieren begutachtet – werden sollte.“ Wahr ist: Unsere Offiziere „begutachten“ keine Lehrpläne, sondern beraten, auf Wunsch der Bildungsdirektionen diese bei der Erstellung der Lehrpläne, soweit sie Angelegenheiten der Landesverteidigung betreffen. Frau Tomaselli lässt die Aussagen des Bildungsministeriums, wonach "demokratische Werte, das Bewusstsein für Neutralität, staatliche Souveränität sowie Bürger- und Menschenrechte gefördert werden sollte", im Geschichtsunterricht der vierten Klasse Mittelschule bzw. AHS-Unterstufe behandelt werden, von der Kommunistischen Partei hinterfragen. Schön wäre es gewesen, wenn sie die Aussagen und Handlungen der KPÖ beim Ungarischen Volksaufstand 1956 oder dem Prager Frühling 1968 jenen des Bundesheeres gegenübergestellt hätte. Es ist auch bezeichnend, dass Frau Tomaselli außer der KPÖ keinen anderen Vertreter einer politischen Partei gefunden hat. Frau Tomaselli schreibt: „Denn wie die Landesverteidigung überhaupt Niederschlag findet, kann das Ministerium auf STANDARD-Nachfrage bislang gar nicht beantworten.“ Wahr ist: Bei der für Medienabfragen zuständigen Presseabteilung des BMLV hat Frau Tomaselli nicht angefragt. Frau Tomaselli schreibt: „Was sagen die Lehrkräfte dazu? Doch beobachtet so manche Lehrkraft diese Entwicklung skeptisch.“ Wahr ist: Frau Tomaselli erwähnt eine anonyme Stimme einer Lehrperson; ohne Referenz, ohne Bezug und ohne weiteren Hinweis. Es hätte auch viele Stimmen gegeben, die genau das Gegenteil sagen. Dies würde aber der grundsätzlichen Tendenz und damit der persönlichen Meinung von Frau Tomaselli widersprechen. Frau Tomaselli schreibt, bzw. zitiert einen nicht, näher genannten Lehrer: „Im Einsatz des Bundesheers an Schulen sieht der Lehrer eine Rekrutierungsstrategie.“ Und ganz so weit hergeholt dürfte das tatsächlich nicht sein, wie auch Verteidigungsministerin Tanner selbst unlängst andeutete. Was den Wehrwillen anbelangt, "gibt es in Österreich viel zu tun", sagte sie Anfang November mit Blick auf das Ergebnis einer Umfrage. Wahr ist: Frau Tomaselli versucht hier einen nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen der Information in Schulen über die in der Bundesverfassung verankerten umfassenden Landesverteidigung und Personalwerbung herzustellen. Dabei arbeitet sie, so wie im ganzen Bericht manipulativ, unsauber und wertend. "Geistige Landesverteidigung": Der stille Vormarsch des Bundesheers im Schulwesen derstandard.at/story/30000002…














@HO2604 Bezüglich "wissenschaftspolitische Leistung" geb ich Ihnen recht. Es ging halt in dem Artikel um Uni-Politik im engeren Sinn, wobei deren Grenzen natürlich unterschiedlich ziehbar sind. das braucht man aber nicht überinterpretieren ("zeigt Stellenwert"...)















