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💸 🚿 Mit der Gießkanne im Krisengarten
– Editor's Note von Sara Grasel (@vielsara)
Österreich steckt noch immer in einer wirtschaftlich gelinde gesagt schwierigen Situation. Ja, das Bruttoinlandsprodukt ist schon vergangenes Jahr wieder gewachsen. Aber! Es waren nur 0,6 % und ein genauerer Blick ergibt ein sehr differenziertes Bild: Der Staatssektor ist um 2,8 % gewachsen, während zum Beispiel die Bauwirtschaft um 2,9 % geschrumpft ist. Und es gibt durchaus Grund zur Sorge, dass die tiefste Wohnbaurezession in den letzten 30 Jahren erneut in die Verlängerung geht. Da derzeit geopolitisch kein Stein auf dem anderen bleibt und die Katastrophe am Energiemarkt täglich um eine Facette reicher wird, könnte das auch heuer ein Wachstum bedeuten, das man kaum als solches bezeichnen kann. 0,9 % prognostiziert die Bank Austria, die Teile der Irankrieg-Folgen schon eingepreist hat. 1,1 % sagte die OECD vergangenen Donnerstag, gesteht aber ein, dass der Krieg in der Prognose noch keine Rolle gespielt hat. Gleichzeitig steigen die Inflationsprognosen – Wifo-Chef Gabriel Felbermayr geht heuer von 2,9 % aus.
Ungeachtet der Lehren der Vergangenheit setzt die Bundesregierung in dieser heiklen Situation auf blanken Populismus. Der Gewinndeckel für Tankstellen und Raffinerien ist vielleicht etwas flexibler als ein schnöder Preisdeckel, unangenehme Nebenwirkungen hat das Trostpflaster für Pendler dennoch. Kurzfristig sieht die Story so aus: Gepaart mit einer Mini-Steuersenkung soll Sprit um 10 Cent pro Liter billiger werden. Das bringt pro Tankfüllung vielleicht 5 bis 6 Euro Ersparnis. Die Inflation könnte dadurch laut Felbermayr kurzfristig um 0,2 % gedrückt werden – also überschaubar. Nach Jahren der „Krisenbekämpfung“ gibt es aber durchaus Erfahrung mit solchen angeblich Wähler-beruhigenden Gießkannen. Was sich Haushalte, die es sich leisten können, hier ersparen, geben sie eben woanders aus und dann steigen dort die Preise. Anfang 2027 könnte es dann wieder zu einem kleinen nationalen Inflationsschock kommen – Sie erinnern sich an das Auslaufen der Strompreisbremse mit Jahresbeginn 2025? Damals kamen zwar auch noch höhere Netzentgelte etc. dazu, die Auswirkungen auf die Inflation waren aber so oder so beträchtlich.
In die Gewinne von Unternehmen einzugreifen, hat jedoch noch andere Effekte. Die Margen decken in diesem konkreten Fall vielleicht nicht einmal mehr die Transportkosten, wie OMV-Chef Alfred Stern vor einer Woche vorrechnete: Der OMV bleiben 25 Cent pro Liter, um das bereits gekaufte Öl nach Österreich zu bringen, die Raffinerie zu betreiben und Tankstellen zu erhalten. Dass dann kein Spielraum mehr für Zukunftsinvestitionen oder den Aufbau neuer Kapazitäten bleibt, ist klar.
Und nicht zuletzt: Die Nachfrage wird sich ohne entsprechendes Preissignal nicht an den Markt anpassen. Das wiederum führt schon kurzfristig womöglich zu Engpässen. Denn, dass wir derzeit bei Öl- und Diesel-Importen nicht aus dem Vollen schöpfen können, ist klar. Stern betonte, dass allein die Berichte über eine mögliche Mangelsituation die Menschen zu den Tankstellen trieb. Das lässt normalerweise die Preise steigen, wodurch sich das Problem über normale Marktmechanismen regelt – Sie wissen schon: Angebot und Nachfrage. Die Internationale Energieagentur hat gestern ausgesprochen, was eigentlich eine logische Reaktion sein sollte: Wir sollten weniger Öl verbrauchen. Wer auf das Auto unausweichlich angewiesen ist und sich die höheren Preise tatsächlich nicht leisten kann, dem sollte natürlich geholfen werden – aber bitte gezielt, ohne folgenreichen Gießkannen-Populismus.

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