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In 10 Tagen erreichen die letzten Gastanker aus dem Persischen Golf ihre Häfen. Schiffe, die vor Kriegsbeginn beladen wurden. Eine einzige Ladung davon geht nach Asien. Einen Kontinent, der 90 Prozent des katarischen Gases abnimmt. Sechs Ladungen gehen nach Europa. Wenn diese Schiffe entladen sind, ist Schluss. Kein nächster Konvoi. Kein Nachschub. Die Uhr tickt.
Katar produziert ein Fünftel des weltweit gehandelten Flüssiggases. Seit der Blockade der Straße von Hormuz steht der Export still. Seit den iranischen Raketenangriffen auf Ras Laffan, die größte Gasanlage der Welt, ist ein Teil der Infrastruktur physisch zerstört. Was jetzt noch auf dem Wasser schwimmt, sind Schiffe, die vor Kriegsbeginn beladen wurden. Letzte Reste eines Systems, das nicht mehr existiert.
Was danach kommt, zeigt Pakistan.
Im Januar hatte Pakistan einen Gas-Überschuss. Die Terminals waren unterausgelastet. Die Regierung bat Katar, 24 geplante Ladungen umzuleiten. Eni aus Italien sollte weitere 11 Ladungen verschieben. Pakistan brauchte das Gas nicht.
Acht Wochen später brach der Krieg aus. Pakistan versuchte sofort, die Eni-Ladungen zurückzubekommen. Eni lehnte ab. Pakistan kontaktierte Händler in Europa, den USA, Oman, Aserbaidschan und Afrika. Alle boten Preise an, die Pakistan nicht bezahlen konnte. Der Spotmarkt für asiatisches Flüssiggas hat sich seit Kriegsbeginn verdoppelt, auf rund 23 Dollar pro Million BTU.
Im März kamen 2 von 8 geplanten LNG-Ladungen an. Die anderen sechs wurden nie geliefert. Für April erwartet die Regierung, dass 3 von 6 Ladungen ausfallen. Beide LNG-Terminals des Landes laufen auf einem Sechstel ihrer normalen Kapazität. Die letzten Reste der beiden Schiffe, die vor dem Krieg ankamen, werden gestreckt bis Ende März.
Der Chef eines der beiden Terminals, Iqbal Ahmed, sagt: "Danach sind wir trocken. Wir wissen nicht, wann die nächste Ladung kommt."
Pakistan zahlt trotzdem weiter. 538.000 Dollar pro Tag an die privaten Terminalbetreiber. Rund 16 Millionen Dollar im Monat. Für Anlagen, die kein Gas verarbeiten. Die Verträge laufen auf Take-or-Pay-Basis. Kein Gas, aber volle Rechnung.
Gas aus Aserbaidschan wäre eine Alternative. Der Preis: dreimal so hoch wie der bisherige Import. Für ein Land mit einer Armutsrate von 29 Prozent und einem Pro-Kopf-Einkommen von 1.800 Dollar ist das keine Option. Pakistan wird stattdessen auf Schweröl umsteigen. Dreckiger. Teurer. Die einzige Wahl, die bleibt.
Der CEO des Terminals fasst es zusammen: "Ich sehe ein sehr schwieriges Jahr vor uns, gefolgt von zwei bis drei weiteren schwierigen Jahren."
Pakistan ist der extremste Fall. Aber nicht der einzige.
Bangladesch importiert 95 Prozent seines Energiebedarfs. Das Land hat Universitäten geschlossen, Treibstoff rationiert, Klimaanlagen in Regierungsgebäuden abgeschaltet. Vier von fünf staatlichen Düngemittelfabriken stehen still. Das Gas, das noch da ist, wird in Kraftwerke umgeleitet, um Blackouts zu verhindern. Ein Land mit 170 Millionen Menschen, im Dunkeln.
Und die reichen Länder? Kaufen sich Zeit. Aber nicht viel.
Taiwan bezieht ein Drittel seines Gases aus Katar. Die Regierung hat 22 Ersatzladungen gesichert, genug bis Ende April. Klingt beruhigend. Bis man eine Zahl kennt: Taiwan hat Gasreserven für elf Tage. Im Juli liegt der Stromverbrauch 40 Prozent über dem Februarniveau. Der Atlantic Council warnt vor "schweren Energieengpässen", wenn die Straße von Hormuz geschlossen bleibt. Und Taiwan produziert über 90 Prozent der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter. Wenn dort der Strom knapp wird, betrifft das jedes Smartphone und jeden Server auf dem Planeten.
Japan hält sich bei Spot-Käufen zurück. Nur wenige Versorger erwägen überhaupt, auf dem freien Markt zu kaufen. Stattdessen plant Japan die Rückkehr zu Kohle und Atom. Im Januar hat das Land das größte Kernkraftwerk der Welt in Niigata teilweise wieder hochgefahren. Die Energiewende läuft rückwärts.
Aber selbst wenn die Straße von Hormuz morgen wieder öffnet, bleibt ein Schaden, der nicht reparierbar ist.
Diese Woche hat Katars Energieminister Saad al-Kaabi bestätigt: Zwei der 14 Produktionslinien von Ras Laffan sind zerstört. 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr. 17 Prozent der gesamten katarischen Exportkapazität. Reparatur: drei bis fünf Jahre.
Die Anlagen haben 26 Milliarden Dollar gekostet. Der jährliche Umsatzverlust liegt bei 20 Milliarden Dollar.
Katar wird Force Majeure erklären auf Langzeitverträge mit Italien, Belgien, Südkorea und China. Für bis zu fünf Jahre. Das sind keine kurzfristigen Ausfälle. Das ist ein struktureller Verlust für den Rest dieses Jahrzehnts.
Al-Kaabi sagte gegenüber Reuters: Er hätte sich "nie in seinen kühnsten Träumen" vorstellen können, dass Katar so angegriffen würde. Von einem muslimischen Bruderland. Im Ramadan.
Die Schiffe, die jetzt noch unterwegs sind, werden in zehn Tagen ihre Häfen erreichen. Die Tanks werden entladen. Das Gas wird verbraucht.
Und dann beginnt die eigentliche Krise.
In diesen Recherchen steckt eine Menge Arbeit. Wenn dich solche Makro Insights interessieren und dir helfen, interagiere gerne mit dem Post. 🧡

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