sparbuchfeinde@sparbuchfeinde
Ich mache seit mehr als 15 Jahren beruflich Verhandlungen.
Man muss Trump nicht mögen. Aber anerkennen, dass er beim Grönland-Thema sehr opportunistisch ein professionelles Verhandlungs-Playbook durchzieht.
Spieler in einer Machtposition (USA) stellt einfach mal eine extreme Forderung und schaut, was passiert.
Viele Politiker und Medien durchschauen dieses Spiel nicht, regen sich auf und erklären Trump für wahnsinnig. Die Wahrheit ist, dass jeder Automobil-Konzern den gleichen Schachzug regelmäßig bei seinen Zulieferern durchzieht.
Einfach mal eine freche Forderung stellen und gucken was passiert. Irgendwann als Kompromiss einen Deal vorschlagen. Die andere Partei ist erleichtert und gibt dir etwas dafür, dass du deine ursprüngliche Forderung fallen lässt.
Gut möglich, dass es bei Trump ähnlich abläuft. Die USA wird Grönland nicht erhalten, aber im Gegenzug kauft Dänemark oder die EU bspw. amerikanisches Öl für 100 Milliarden Dollar.
Man feiert sich für den Deal und ist erleichtert. Dabei hat die andere Seite mit etwas verhandelt, das sie nie hatte. Das ist der ganze Trick dabei.
Die Lehrbuch Gegenantwort ist ebenfalls eine extreme Forderung zu stellen. Aber zur Wahrheit gehört, dass die Partei, die das Ganze eröffnet, Vorteile hat. Wer zuerst agiert, zwingt den anderen in die Reaktion.
Das Risiko dieser Spielchen ist, dass man seine Geschäftsbeziehung nachhaltig beschädigt. Daher nur empfehlenswert, wenn man in einer absoluten Machtposition ist.
Ich persönlich habe immer auch noch darauf geachtet das Ganze maximal freundlich und emphatisch zu transportieren. Und einem unbekannten Dritten (Management, Wettbewerber, Kapitalgeber usw) die Schuld zu geben.
Trump macht das für seine Verhältnisse auch. Er erklärt, dass er praktisch zu diesem Schritt gezwungen wird, weil sonst China oder Russland nach Grönland greifen werden.
Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Sache weiterentwickelt.