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Die Handschrift von Netanjahu ist eine eiserne Faust, die keine Skrupel kennt und geschickt die Fäden zieht.
Am 7. Oktober setzte die Hamas einen großangelegten Angriff mit Geiselnahmen um. Laut mehreren Medienberichten lagen israelischen Sicherheitsdiensten bereits seit rund einem Jahr Erkenntnisse über wesentliche Teile dieses Plans vor. Einen Tag vor dem Angriff verlegten die Veranstalter ein Musikfestival auf ein Gelände bei Re’im – etwa fünf Kilometer von der Gaza-Grenze entfernt.
Besonders brisant: Teile der Grenzsicherung im südlichen Abschnitt wurden am Vortag auf ausdrücklichen Befehl ausgedünnt oder ganz abgezogen. Auch das Festivalgelände selbst wurde trotz seiner Nähe zum Grenzverlauf nicht militärisch abgesichert. Diese Entscheidungen sind inzwischen durch Zeugenaussagen und interne Protokolle belegt.
Als die Attacke begann, vergingen rund sechs Stunden, ohne dass eine koordinierte militärische oder polizeiliche Gegenreaktion eingeleitet wurde. Dabei beträgt die Flugzeit von Tel Aviv zur Grenze weniger als 20 Minuten – und selbst unter Berücksichtigung von Startvorbereitung und taktischem Anflug hätte ein Hubschrauber von der Palmachim Airbase diese Strecke unter normalen Umständen in unter 20 Minuten zurücklegen können.
Aus meiner Sicht deutet diese Abfolge von Ereignissen eindeutig darauf hin, dass der Angriff nicht nur hingenommen, sondern in Teilen bewusst ermöglicht wurde.
Wer bereit ist, das Massaker an der eigenen Bevölkerung geschehen zu lassen, stellt sicher, dass es sich politisch auszahlt. In diesem Zusammenhang erscheint es für mich plausibel, dass die Hamas am 7. Oktober erstmals mit Bodycams operierte – möglicherweise GoPro-Kameras, die aus israelischen Quellen stammen könnten. Die Handschrift erinnert an eine spätere, nachweislich vom Mossad durchgeführte Operation gegen die Hisbollah, bei der präparierte Pager eingeschleust wurden.
Und wer zu einer solchen Manipulation fähig ist, hätte aus meiner Sicht auch keine Skrupel, israelische Geiseln selbst in Gewahrsam zu nehmen – um sie, wenn es politisch opportun erscheint, für gezielte Propagandaaufnahmen zu nutzen.
Seit dem 7. Oktober hat nahezu jede Handlung der Hamas Netanjahu politisch in die Karten gespielt – als Vorwand für Maßnahmen, die sonst international schwerer zu rechtfertigen wären. Unbestätigte Berichte über Hamas-Kommandozentralen unter Krankenhäusern dienen als Begründung für die systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur. Der Vorwurf, die Hamas beschlagnahme sämtliche Hilfsgüter, wird genutzt, um die dramatische Hungersnot im Gazastreifen als selbst verschuldet darzustellen.
Für mich fügt sich das zu einem langfristigen strategischen Ziel: Netanjahu und seine Koalition wollen die Zweistaatenlösung verhindern und den palästinensischen Einfluss zwischen Mittelmeer und Jordan so weit wie möglich zurückdrängen – sei es durch Vertreibung, Entrechtung oder die vollständige Auslöschung der Präsenz. Seine politische Radikalisierung hängt aus meiner Sicht auch mit persönlichen Verlusten zusammen: Arabische Kämpfer töteten seinen Bruder bei der Operation zur Befreiung israelischer Geiseln in Entebbe, und in seinen Händen sind Kameraden gefallen.
Gemeinsam mit seiner Frau kontrolliert Netanjahu das politische System Israels in einem Maße, das Kritiker als „Würgegriff“ bezeichnen. Er nutzt diese Macht, um sich juristischer Verfolgung zu entziehen – ein Vorgehen, das aus meiner Sicht Züge eines autoritären Staatsführers trägt.
Für mich zieht sich durch all das ein klarer roter Faden – eine kompromisslose Handschrift, die bereit ist, alles für das eigene Ziel zu opfern. Deshalb rechne ich damit, dass Netanjahu weiter eskalieren wird. Eine Zweistaatenlösung steht nicht auf seiner Agenda; im Gegenteil, die Entwicklung dürfte sich verschärfen. Das Endziel ist aus meiner Sicht eindeutig – und wer bereits so viel geopfert hat, wird nicht auf halbem Weg stehen bleiben.