
Moser Realoaded
251 posts












… und sowas habe ich ein halbes Leben lang gewählt.













Schönen 1. Mai! ☀️ Am Tag der Arbeit fragen wir uns: Wer hat eigentlich am meisten für den Wohlstand getan? @FranzSchellhorn hat eine klare Antwort und eine Liebesbekundung 🏭💰










Die nächste Ausgabe der sogenannten „Gaza Sumud Flotilla“ ist von Israels Marine gestoppt worden, 175 Teilnehmende seien verhaftet worden. Diese Aktion liefert neuen Stoff für, bereits geführte, Debatten über Völker- und Seerecht und Israels Seeblockade vor Gaza - und für neue Polemik zwischen AktivistInnen und Israels Außenministerium. Worüber in westlichen Medien dabei erstaunlich wenig, bzw. gar nicht, gesprochen wird, ist der Name dieser Aktion - „Gaza *Sumud* Flotilla“. Ich habe in dutzenden (westlichen) Artikeln noch nie (bewusst) den Versuch gesehen, den Begriff *Sumud* 1. zu verstehen und 2. zu erklären. Jeder arabischsprachigen Person ist der Begriff bzw. das Konzept *Sumud*/صمود als vermutlich DAS zentrale Konzept des palästinensischen Nationalismus bekannt. Übersetzt würde das so etwas wie „Standhaftigkeit“ ergeben, aber für ein Konzept, das in sich eine kollektive Erzählung über die Wirklichkeit bündelt, ist eine einfache wörtliche Entsprechung nur eine oberflächliche Annäherung. Das Konzept *Sumud*/صمود („Standhaftigkeit“) bildet eine Art Triade, gemeinsam mit den Begriffen *Sabr*/صبر („Geduld“) und *Muqawamah*/مقاومة („Widerstand“). *Sumud* ist gewissermaßen die zivile, passive Form der *Muqawamah*. PalästinenserInnen praktizieren *Sumud*, laut diesem Konzept, dadurch, dass sie *ungeachtet der Umstände* nicht dem *Muhtall*/محتل („Besatzer“=Israel) weichen und dadurch einerseits ihren Anspruch auf das Land verteidigen und andererseits auch die Grundlagen für den *Muqawim*/مقاوم („Widerstandskämpfer“=Hamas etc.) schaffen, dass dieser mit Waffengewalt zu *Tahrir*/تحرير („Befreiung“=von Israels Existenz auf dem Gebiet des *historischen Palästina*) und letztendlich zu *Auda*/عودة („Rückkehr“=der Nachfahren palästinensischer Flüchtlinge von 1948) führen kann. Der 7. Oktober 2023 war der versuchte Beginn einer Umsetzung dieser Konzepte in die Praxis und wurde dementsprechend entlang dieser Begrifflichkeiten von einem überwiegenden Großteil der palästinensischen und arabischen Öffentlichkeit begrüßt und gefeiert. Der westliche Diskurs über diese Ereignisse folgt jedoch seinen eigenen Begrifflichkeiten und den diesen zugrundeliegenden Vorstellungen und Prämissen, die nicht wenige Menschen im Westen, implizit oder explizit, als universelle Denkmuster und Wertekataloge betrachten. Der Begriff *Sumud* als Herzstück der Bezeichnung *Gaza Sumud Flotilla* wird dadurch für die Augen und Ohren einer westlichen Leser- und Hörerschaft durchsichtig bzw. unsichtbar, weil im Bewusstsein der westlichen Öffentlichkeit für diesen Begriff kein Anknüpfungspunkt existiert. Stattdessen wird die „Gaza Sumud Flotilla“ über die deklarierten Absichten ihrer Aktivität in einem unmittelbaren Bezugsraum dargestellt: Die Rede ist dann von *Hilfsschiffen* und einer *humanitären Flotte* - Begriffe, die das humanistische, humanozentrische Weltbild des Westens zum Ausdruck bringen, von dem viele im Westen nicht wissen dürften, dass es sich dabei lediglich um *ein mögliches*, aber keineswegs um *das universelle* Weltbild handelt. Dementsprechend schwierig scheint es auch für die meisten Menschen im Westen den *Nahostkonflikt* zu *lesen*, zu *verstehen* und zu *deuten*, weil sie, ohne dass es ihnen bewusst ist, ein (also ihr) Erklärungsmuster über die Realität dieses Konflikts legen, das manches erfasst, manches verzerrt und manches unsichtbar macht. Ein Teil dieser Praxis besteht auch darin, in erster Linie bzw. praktisch ausschließlich *Taten* und *Handlungen* der Beteiligten zu beobachten und zu bewerten, anstatt (unvoreingenommen) gleichzeitig zu versuchen, die Begriffs- und Gedankenwelten der Konfliktparteien zu erschließen, um so einen Eindruck davon zu bekommen, welche *Bedeutungen* diese Handlungen in den jeweiligen Welten der Handelnden einnehmen - und welche *Funktionen* sie aus diesen Bedeutungen heraus, laut den Handelnden, erfüllen sollen.











