Furkan Yildirim@FurkanCCTV
Erst war es Öl. Dann waren es Schiffe. Jetzt sind es Daten.
Iran erweitert seine Hormuz-Maut zum dritten Mal. Erst Tanker für bis zu 2 Millionen Dollar pro Durchfahrt. Dann eine eigene Behörde für jedes Schiff. Jetzt sollen ausländische Internet-Kabel laut der iranischen Nachrichtenagentur FARS Genehmigungen aus Teheran beantragen, Transit-Gebühren zahlen, iranisches Recht befolgen. Wartung soll exklusiv durch iranische Firmen erfolgen.
Das klingt nach einer perfekten Erpressung. Aber wie genau soll das in der Praxis ablaufen? Hier wird es interessant.
Iran kann Daten-Pakete am Meeresboden nicht zählen. Es gibt keinen Mautautomaten auf einem Glasfaserkabel. Eine echte Gebühr auf den laufenden Datenverkehr ist technisch nicht durchsetzbar. Die Kabel laufen überwiegend durch internationale Gewässer, nicht durch iranische Hoheitszone.
Was Iran realistisch durchsetzen kann, sind drei Hebel:
Reparatur-Erpressung: Reparatur-Schiffe brauchen Genehmigung, um in Hoheitsgewässern zu arbeiten. Das ist gängiges Seerecht, keine iranische Erfindung. Iran kann sagen: keine Genehmigung ohne Gebühr. Weltweit existieren ohnehin nur 63 spezialisierte Reparatur-Schiffe, eine Reparatur dauert mindestens 40 Tage und kostet 1 bis 3 Millionen Dollar. Wer warten muss, zahlt drauf.
Implizite Drohung: “Zahlt oder wir kappen.” Das ist der eigentliche Hebel. Im März 2024 wurden im Roten Meer drei Kabel gleichzeitig durchtrennt, AAE-1, SEACOM und EIG, durch einen Anker eines beschädigten Schiffs. Frankfurt, London und Dubai bekamen anschließend Verzögerungen bei Banküberweisungen und Aktienhandel. Bangladesch verlor ein Drittel seiner Internet-Kapazität. Eine IRGC-Drohne braucht einen Anker, kein Mautsystem.
Neue Verlegung blockieren: Genau das passiert bereits. Meta hat im März die Erweiterung seines 2Africa-Kabel-Projekts in den Persischen Golf pausiert. Der beauftragte Verleger Alcatel Submarine Networks hat höhere Gewalt erklärt. Das Verlegeschiff steht in Saudi-Arabien fest.
Warum das trotzdem zählt. Über die sieben Kabelsysteme im Hormuz, FALCON, AAE-1, TGN-Gulf, SEA-ME-WE, Gulf Bridge International und Fibre in Gulf, laufen rund 97 Prozent des regionalen Internet-Verkehrs der Golfstaaten. Persischer Golf, Hormuz und Rotes Meer zusammen tragen rund 30 Prozent des interkontinentalen Datenverkehrs. SWIFT, das Nervensystem des internationalen Bankenverkehrs, hängt zu rund 98 Prozent an Unterseekabeln.
Iran versucht hier, eine Drohung in einen Anspruch zu verwandeln. Die Maut auf Daten ist nicht durchsetzbar. Die Drohung dahinter schon. Und genau das ist die Verhandlungswährung.
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