Sebastian (Nerd, pilot etc.) retweetledi

In der Debatte um die Absage der Stationierung amerikanischer Tomahawk-Raketen in Deutschland und der Alternative einer möglichen schnellen Produktion weitreichender Raketen in Deutschland schlagen manche jetzt eine Art neuen NATO-Doppelbeschluss vor.
Der Gedanke ist, dass Deutschland und Europa die Ankündigung einer eigenen Produktion von Mittelstreckenraketen als starkes Argument in eigene Abrüstungsverhandlungen mit Moskau einbringen sollen. Eine solche Logik von Stärke und Diplomatie gehöre zum Kern des alten Doppelbeschlusses, so das Argument. Ein genauer Blick auf die historische Abfolge lohnt sich.
Nach Helmut Schmidts Rede in London 1977 versuchte die NATO zwischen 1979 und 1983 das, was jetzt einige beschreiben: verhandeln, bevor man stationiert. In Genf boten die USA der Sowjetunion mehrere Modelle an – von einer „Null-Lösung“ bis hin zu Obergrenzen. Doch die Gespräche kamen nicht voran, weil Moskau die eigenen SS‑20‑Raketen parallel weiter ausbaute und gleichzeitig darauf setzte, dass der innenpolitische Widerstand in Westeuropa die NATO zum Einlenken zwingen würde.
Als die Sowjetunion 1983 schließlich die Verhandlungen abbrach, war das kein Zeichen von Kompromissbereitschaft, sondern ein Versuch, die Nachrüstung politisch zu verhindern. In diesem Moment wurde klar: Die Drohung allein reichte nicht, um militärische Stärke mit Diplomatie zu verbinden.
Erst als die NATO tatsächlich neue Raketen stationierte, und zwar trotz heftiger Gegenmeinungen innerhalb Deutschlands, Massendemonstrationen, heftiger kontroverser Debatten in Bonn, Den Haag, London und Rom, änderte sich die strategische Lage. Die Sowjetführung musste akzeptieren, dass der Westen nicht nur redete, sondern handelte. Erst nach dem Machtwechsel hin zu Gorbatschow öffnete sich dann in der Sowjetunion ein Fenster für echte Abrüstungsgespräche, die dann 1987 zum INF‑Vertrag und 1991 zur Abrüstung führten.
Insofern war der Doppelbeschluss nicht allein ein „Wenn‑Dann‑Signal“, sondern die klare Botschaft: „Wir tun beides – und zwar wirklich“: Verhandeln, ja. Und gleichzeitig Fähigkeiten schaffen, die nicht nur angedacht oder hypothetisch, sondern militärisch einsatzbereit sind.
Die Kombination aus Glaubwürdigkeit, politischer Standfestigkeit und veränderten Rahmenbedingungen in Moskau ermöglichten am Ende die Abrüstung. Das hieße für die aktuelle Entscheidung, so schnell wie mögliche eigene deutsche und europäische Mittelstreckenraketen als Gegenbedrohung zu den russischen Iskander aufzustellen, um dann Stärke mit Diplomatie verbinden zu können.
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