
In diesen Tagen des Jahres 1976, also exakt vor 50 Jahren, hat JEAN AMERY - Österreicher, Jude, Schriftsteller, Holocaust-Überlebender - in seiner Rede zur Woche der Brüderlichkeit ausdrücklich „ein paar Worte an meine Freunde aus dem linken Lager“ gerichtet, die jetzt zu wiederholen ganz aktuell und - weil offenbar nichts dazugelernt wurde zB @dieLinke - leider bitter notwendig sind: „Und was den nahöstlichen Raum angeht, kann es keinem Zweifel unterliegen, dass es die jüdischen Siedler in Palästina mit ihren Versuch der Erschaffung einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft waren, welche die arabische Nation aus dem tiefen Feudalschlaf erweckte, in dem sie jahrhundertelang gelegen hat. Dies gebe ich der Linken zu bedenken… Es kann nicht, darf nicht sein, dass die Nachfahren der Heine und Börne, der Marx und Rosa Luxemburg, Erich Mühsam, Gustav Landauer es sind, die den ehrbaren Antisemitismus verbreiten, denn in den #Antisemitismus mündet notwendigerweise der rabiate #Antizionismus ein, der für jeden Juden, wo immer er wohne, welche politischer Meinung er anhänge, eine tödliche Drohung ist. Ich übertreibe nicht… Schon sind wir ja Zeugen, wie die sich als „links“ verstehenden politischen Gruppen kein Wort verlieren, wenn ein Despot und Paranoid in Uganda sich abscheulicher Morde schuldig macht, wie sie nicht protestieren, wenn der absolute Herrscher in Libyen Gesetze erlässt, nach denen ehebrecherische Frauen gesteinigt werden, wie sie diskret schweigen …. Die Linke hält den Mund. Und sofern sie redet, ist ihr Vokabular im eigentlichen Wortsinne ver-rückt. Die Gewaltregime Libyens und Iraks, wo gelegentlich auch Kommunisten in den Kerker geworfen werden, nennt sie hartnäckig, „progressistisch“. Israel aber, kein Musterstaat, gewiss nicht, aber doch ein Gemeinwesen, wo Opposition, auch antinationale, sich regen darf, ist in der linken Mythologie ein „reaktionäres“ Land. Das ist schlimmer als die unheimliche Dialektik, vermittels der jeder und jedes sich rechtfertigen lässt. Es ist das politische Hexeneinmaleins. Es ist die totale Verwirrung der Begriffe, der definitive Verlust moralisch-politischer Maßstäbe…. Der zu Ihnen spricht, war Zeuge.. Er wurde selber abgetastet, wie im Märchen von Hänsel und Gretel, nicht, ob er fett, sondern ob er mager genug sei, um geschlachtet zu werden. Ich appelliere an Ihre, an der Welt Emotion, gewiss vor allem aber an Ihre Intelligenz, wenn ich ausrufe: Antisemitismus, auch wenn er sich Antizionismus nennt, ist nicht ehrbar. Er ist im Gegenteil der unverlierbare Fleck auf der Ehr‘, den die zivilisierte Menschheit trägt“…. Das Problem des im Kleide der Ehrbarkeit und des modischen Chicks sich präsentierenden uralten Antisemitismus geht ja auch weit hinaus über alles, was christlich-jüdische Zusammenarbeit bewerkstelligen kann. Es ist Sache der Welt und ihre Geschichte. Und wo immer, wann immer wir Einverständlichen die Möglichkeit haben, auch auf bescheidenste Weise durch unser Wort einzugreifen in den historischen Prozess, der wieder einmal gegen die Juden geführt wird, sind wir verpflichtet, uns vernehmen zu lassen: moralisch, politisch, polemisch und mit jener Emotion, die einen guten Sache zukommt.“ zitiert: JEAN AMERY, DER NEUE ANTISEMITISMUS, Cotta-Verlag Vierte Auflage 2024 Bild: Jean Améry, Felix de Boec 1951
























