
Es ist ein klassischer Fall von Heuchelei auf hรถchstem Niveau, der einem den Atem raubt. Die Fรผhrung der Linken hat beschlossen, dass ihre Bundestags- und Europaabgeordneten kรผnftig nur noch 2.850 Euro netto im Monat behalten dรผrfen โ orientiert am Durchschnittsverdienst eines normalen Arbeitnehmers. Alles, was darรผber liegt, soll in einen Sozialfonds flieรen, fรผr โsoziale Projekteโ und Notlagen. Ein kleiner Freibetrag von 350 Euro pro Kind oder pflegebedรผrftigem Angehรถrigen ist noch drin, die steuerfreie Kostenpauschale bleibt unangetastet. Der Antrag wurde am 18. April vom Parteivorstand durchgewunken und soll auf dem Bundesparteitag im Juni 2025 in Potsdam endgรผltig abgesegnet werden. Verbindlich fรผr alle, heiรt es. Wer gewรคhlt wird, hat gefรคlligst mitzumachen. Der aktuelle Diรคtensatz liegt bei 11.833,47 Euro monatlich plus 5.467,27 Euro steuerfreier Pauschale. Ab Juli 2026 soll das Ganze sogar noch um 4,2 Prozent steigen auf 12.330,48 Euro. Und genau in diesem Moment, wo die Parteispitze sich als Vorreiter der Bescheidenheit inszeniert, erhebt sich massiver Widerstand aus den eigenen Reihen. Die Bundestagsfraktion lรคsst sich nicht einfach so die Taschen leeren. Der Abgeordnete Michael Moses Arndt hat ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags einholen lassen โ mit dem klaren Titel โVerfassungsrechtliche Zulรคssigkeit einer Deckelung der Abgeordnetendiรคtenโ. Das Ergebnis ist vernichtend fรผr den Vorstandsplan. Das Gutachten schlieรt einen verpflichtenden Diรคtendeckel zwar nicht grundsรคtzlich aus, macht aber unmissverstรคndlich klar: Abgeordnete haben Anspruch auf eine angemessene Entschรคdigung, die ihre Unabhรคngigkeit sichert und eine ausreichende Existenzgrundlage bietet. Das Bundesverfassungsgericht hat das in seinem Diรคten-Urteil festgeschrieben. Der Vorschlag der Parteifรผhrung, der die Abgeordneten auf weniger als die Hรคlfte der gesetzlichen Entschรคdigung herunterdrรผcken wรผrde โ und das sogar noch unter dem Existenzminimum โ, sei schlicht verfassungswidrig. Ein solcher Zwang kรถnnte die wirtschaftliche Lage der Mandatstrรคger so verschlechtern, dass sie ihr Amt nicht mehr ordentlich ausรผben kรถnnten. Arndt hat das gegenรผber dem Spiegel noch einmal deutlich gemacht: Der Wissenschaftliche Dienst betone, dass die Entschรคdigung deutlich รผber dem Existenzminimum liegen mรผsse. Der Vorstandsvorschlag unterschreite sogar dieses Niveau und sei deshalb โklar verfassungswidrigโ. Und es bleibt nicht bei einem einzelnen Abgeordneten. Bundestagsvizeprรคsident Bodo Ramelow wirft der Parteispitze glatte โpolitische Tรคuschungโ vor. Er erinnert daran, dass der Chemnitzer Parteitag 2025 zwar eine Gehaltsbegrenzung gefordert hat โ aber ausdrรผcklich Satzungsรคnderungen bis 2027 verlangt. Davon steht im aktuellen Antrag kein Wort. Ramelow hat die Sache bereits vor die parteiinterne Schiedskommission gebracht. Das ist kein kleiner Streit am Rande. Das ist offener Aufstand gegen die eigene Spitze. Wรคhrenddessen verteidigt Jan van Aken den Vorstoร mit den รผblichen Phrasen: Die meisten Menschen in Deutschland arbeiteten hart und viel, deshalb solle das Durchschnittseinkommen auch fรผr Abgeordnete der Maรstab sein. Ein Mandat sei schlieรlich kein Karriereziel, sondern ein politischer Auftrag. Schรถne Worte. Nur leider stehen sie in krassem Widerspruch zu dem, was die eigenen Leute gerade mit Gutachten und Schiedskommission beweisen. Die Abgeordneten der Linken stellen sich mit einem offiziellen Bundestags-Gutachten gegen ihre eigene Parteifรผhrung und argumentieren, dass der propagierte โDeckelโ verfassungswidrig und existenzbedrohend sei. Das sagt alles. Man muss sich das einmal vorstellen: Dieselbe Partei, die seit Jahren von Umverteilung, Gerechtigkeit und dem Kampf gegen die โReichenโ predigt, wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, dass ihre eigenen Vertreter im Parlament auf ein normales Gehalt heruntergeschraubt werden. Statt das eigene Modell vorzuleben, greifen sie zum Verfassungsargument und zur internen Klage. Das ist kein Versehen. Das ist der Beweis, dass die hohen Diรคten fรผr viele eben doch mehr als nur ein politischer Auftrag sind. Es geht um handfeste Privilegien, die man nicht so einfach hergeben will โ auch nicht innerhalb der eigenen Partei. Die ganze Debatte legt schonungslos offen, wie tief der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit in dieser Partei mittlerweile ist. Die Fรผhrung inszeniert sich als moralische Instanz, wรคhrend die Abgeordneten mit handfesten juristischen Argumenten kontern. Und das alles auf Kosten der Glaubwรผrdigkeit, die man angeblich so dringend zurรผckgewinnen will. Wer so mit den eigenen Leuten umspringt und gleichzeitig die eigenen Gehรคlter verteidigt, der hat jede Berechtigung verloren, anderen Lektionen in Bescheidenheit zu erteilen. Es bleibt abzuwarten, wie der Parteitag im Juni 2025 ausgeht. Aber eines ist jetzt schon klar: Dieser interne Machtkampf um die Diรคten ist kein Randthema. Er zeigt das wahre Gesicht einer Partei, die von Gleichheit spricht, aber bei sich selbst plรถtzlich ganz andere Maรstรคbe anlegt. apollo-news.net/linken-abgeordโฆ





























