U.M. OSINT@ungemeve
⏸️ Planspiel: Deutsche Schiffe vor den Iran
Seit den frühen Morgenstunden lese ich Kommentare, Deutschland solle Minenjäger oder Truppen zur Sicherung der Straße von Hormus schicken.
Zwei Argumente überwiegen.
1. Deutschland soll wieder Flagge zeigen.
2. Es käme Deutschland teuer zu stehen, es nicht zu tun. Weil die USA sich aus der NATO zurückziehen könnten und weil Deutschland wirtschaftlich betroffen sei.
Also habe ich in einem Post folgende Frage gestellt:
▶️ Was, wenn eine Fregatte vom Iran versenkt wird? Was macht Deutschland dann?
Bisher kamen auf der FB Fanpage und X über 400 Kommentare. Und die offenbaren nicht nur einen beschissenen Humor. Sondern auch eine völlige Fehleinschätzung dessen, was so vor sich geht.
▶️ Es gibt auf der Welt nur vier Länder, denen ich zutraue, auf der jeweils anderen Seite des Planeten einen Krieg zu führen.
🇺🇸 USA
🇨🇳 China (mit Abstrichen)
🇬🇧 Großbritannien (mit großen Abstrichen)
🇫🇷 Frankreich (mit großen Abstrichen)
🇷🇺 Russland noch nie (höchstens Sowjetunion, aber nä)
Und dabei geht es nur um Krieg „führen“, nicht um gewinnen. Das können nur die USA.
▶️ Das liegt an den Verlegekapazitäten und der Logistik.
Man muss vor allem Boots on the Ground bekommen. Dafür benötigt man Transporter oder Landungsschiffe. Letztere haben die genannten Länder in gleicher Abstufung.
Und man muss Flugzeuge in die Luft bekommen. Und dafür benötigt man entweder Flugzeugträger, die das aber auch kaum alleine schaffen können. (Außer die USA schicken alle raus, die sie haben.) Oder man benötigt Tanker.
75% (~610) aller Tanker weltweit gehören den USA. (Russland, Frankreich ca. 2%; China, Israel ca. 1%; Deutschland keine, aber Multinational für NATO)
▶️ Würde Deutschland jetzt ein oder zwei Minenjäger schicken, um Minen zu räumen (von denen wir nicht einmal wissen, ob sie da sind), könnten die sich nicht verteidigen. Also müsste Deutschland eine Fregatte mitschicken. Und einen Versorger. Und am besten einen Aufklärer.
▶️ Diese müssten in die Straße von Hormus. Dahin, wo auch die Amerikaner nicht sind. Denn die dümpeln etwa 700km vor der Straße herum.
Die Straße von Hormus ist eng. Die Fahrrinnen sind noch enger. Wie eine Autobahn, in jede Richtung jeweils drei Kilometer breit.
Wäre ich die Revolutionsgarden, wäre sofort mein primäres Ziel, diese Schiffe anzugreifen.
Schlimmer kann es eh nicht werden. Und das würde ein deutliches Zeichen senden und ein Militärbündnis auf die Probe stellen.
Also, was tun, wenn eine deutsche Fregatte versenkt wird?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Schiffe zurückziehen. Oder dem Iran den Krieg erklären.
▶️ Zieht Deutschland seine Schiffe zurück, hat der Iran Deutschland für alle sichtbar mit Anlauf in die Eier getreten. Wie kommt das wohl in Russland an?
▶️ Erklärt Deutschland den Krieg… Siehe oben.
That’s it. Das ist alles. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.
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▶️ Es gibt scheinbar eine völlig falsche Vorstellung in der Öffentlichkeit, was die Bundeswehr kann, und was nicht. Es ist etwas völlig anderes, ein begrenztes Kontingent mit Verbündeten und UN-Mandat in einen Stabilisierungseinsatz wie Afghanistan zu schicken. Mit Monatelanger Vorlaufzeit und festen, berechenbaren Größen. Oder in einen Krieg hineinzufahren.
▶️ Selbst, wenn wir jetzt sofort mit den Vorbereitungen beginnen und die Nummer rasend schnell durch den Bundestag ginge – was die nächste große Frage ist – würde es locker vier Wochen dauern, bis deutsche Schiffe vor Ort sein könnten. Und wer weiß schon, was in vier Wochen ist, wenn nicht einmal Trump es zu wissen scheint?
▶️ Die NATO hat damit absolut nichts zu tun. Es ist erschreckend, wie häufig die zur Sprache gebracht wurde.
▶️ Wenn es um die Sicherheit arabischen Öls geht, müsste man da nicht erst einmal arabische Staaten in die Pflicht nehmen, die das Zeug verkaufen wollen?
Kann es sein, dass sich Saudi-Arabien gerade eine goldene Nase an seiner Ost-West-Pipeline verdient und den Krieg gar nicht so doof findet? Kann es sein, dass wir abhängig sind und einige das immer noch so lassen wollen?
▶️ Eine Möglichkeit wäre - wenigstens ein Kommentator war so frank und frei - ein europäisches Bündnis zu schicken. Das bräuchte ebenso Vorlaufzeit.
Die Frage wäre, was Russland vor allem mit dem Suwalki Korridor und Lettland macht. Wenn keiner mehr zu Hause ist, kann man sich durch den Garten reinschleichen. (Zurück-)Erobern kostet viel mehr als Verteidigen.
▶️ Diejenigen, die sich Gedanken um einen Rückzug der USA aus der NATO machen, sollten noch einmal scharf nachdenken.
Ein Bündnisfall bei einem Angriff kann von jedem Mitglied blockiert werden. Bevor man also über die USA spricht, sollte man doch erst einmal über Ungarn und die Slowakei sprechen. Dann über die Türkei. Und dann über die USA.
▶️ Wofür Europa die NATO braucht, sind nicht die Waffen. Europa alleine ist Russland haushoch überlegen. Seit vier Jahren das zweitstärkste Militär in der Ukraine. Sondern die Strukturen.
Die NATO hat Pläne, Kontingente und Kommandos. Das europäische Verteidigungsbündnis (nicht zu verwechseln mit der EU) hat dies nicht. Jeder muss mitmachen, aber es müsste erst ausgehandelt werden, womit und mit wieviel.
Und ich bin der wirklich festen Überzeugung, genau da läuft längst die Planung. Die USA haben sich für die NATO längst unglaubwürdig gemacht. Die Einrichtung der Panzerbrigade 45 in Lettland ist nur ein sichtbares Zeichen dessen.
▶️ Europa ist kein Abnehmer für das Öl, das aus dem Persischen Golf vor allem nach China geht. Und nicht blockiert ist.
Die Preise gehen hier hoch, weil die Konzerne zocken. Trump will sie als erz-rechter Wirtschaftsmann zocken lassen. Europa will die Konzerne beschränken und andere Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.
Diese Zusammenhänge sind meiner Meinung nach viel zu kompliziert und haben zu viele Variablen, als dass irgendwer auf Social Media da irgendetwas sinnvolles raushauen könnte. Da müssen absolute Experten ran, wie beispielsweise Militär-Ökonome.
🔴 Entscheidend sind die Versicherer der Schiffe. So lange denen die Durchfahrt durch die Straße zu riskant ist, wird kein Schiff fahren, außer der Iran lässt es zu oder es gibt so oder so Frieden.
Militärisch ist es unmöglich, eine Meerenge wie die Straße von Hormus absolut sicher zu machen.
▶️ Wann immer irgendwelche Stolzdeutschen nach einem Bundeswehreinsatz rufen, frage ich immer erstmal, ob sie selber gehen würden. Denn das Fell eines anderen ist leicht verkauft.
Diese Abwägung sind wir den Kameradinnen und Kameraden immer schuldig, bevor wir sie irgendwohin schicken.
Umso mehr für einen Krieg, den jemand anders begonnen hat, ohne ihn vorher auch nur abzusprechen. Um dann, wenn er merkt, dass das nicht so einfach läuft, wie er sich das – vermutlich durch Ignorieren seiner eigenen Militärs – vorher so vorgestellt hat, anderen die Pistole auf die Brust zu setzen und zu drohen.
❗️ Das ist ein Planspiel, ein Gedankenexperiment, Brain Storming.
Es ist absolut müßig, jetzt über den einen oder anderen Punkt zu debattieren, wenn man nicht alle anderen Punkte mitdenkt.
Wenn ich nur zum Nachdenken anrege, ist schon viel gewonnen.
Mahlzeit