
thg210
119 posts








Hochinteressanter Facebook Post von Stefan A. K. Weichelt, der die Kommentare zu einem AFD-Kritischen, eigenen Artikel ausgewertet hat: Sorry für den langen Text. Ü𝐛𝐞𝐫 𝟐.𝟎𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. 𝐄𝐢𝐧 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫. 𝐄𝐢𝐧𝐞 𝐀𝐧𝐚𝐥𝐲𝐬𝐞. Vor zwei Tagen habe ich einen Beitrag veröffentlicht. Titel: Warum fallen immer noch so viele auf die AfD herein? Der Titel war bewusst provokant. Klar. Wenn man mit einem Stock in einen Ameisenhaufen sticht, darf man sich nicht wundern, wenn es krabbelt. Und genau das ist passiert. Über 2.500 Kommentare. Eine Lawine aus Wut, Beleidigungen, Spiegelungen – und dazwischen, wie Goldstaub in einem Sandsturm, ein paar durchdachte Beiträge. Im Beitrag selbst: konkrete Belege. Ermittlungen gegen AfD-Funktionäre in Niedersachsen. Interne Widersprüche zur Sicherheitspolitik. Klimaleugnung gegen über 90 Prozent der Wissenschaft. Alles mit Quellen, alles auf Substack nachlesbar. Ich habe mir einen Querschnitt angesehen – rund 250 Kommentare, also etwa 10 Prozent, im Detail ausgewertet. Die Verteilung darin war so konsistent, dass sich die Muster naheliegend auf die gesamte Kommentarspalte hochrechnen lassen. Und was dabei rauskommt, ist aufschlussreicher als der Beitrag selbst. Diese Kommentarspalte ist kein Gespräch. Sie ist ein Röntgenbild. Aber – und das ist wichtig – es ist ein Röntgenbild einer ganz bestimmten Reaktion. Nicht Deutschlands. Denn ein provokanter Titel funktioniert wie ein Filter. Wer sich angesprochen fühlt, reagiert. Wer differenziert liest und Sachverhalte einordnen kann, klickt meistens weiter oder liest still mit. Das verzerrt das Bild massiv. Ich habe andere Beiträge zu ähnlichen Themen veröffentlicht – nur anders betitelt, weniger konfrontativ formuliert. Da sieht die Kommentarspalte komplett anders aus. 95 Prozent sachlich, vielleicht 5 Prozent AfD-Pöbelei. Zum exakt gleichen Thema. Was heißt das? AfD-affine Kommentatoren reagieren auf Trigger. Auf Schlagzeilen. Auf Reizworte. Sie springen an, wenn sie sich angegriffen fühlen – und oft genug, ohne den Text überhaupt gelesen zu haben. Das ist kein Diskursverhalten. Das ist Reflexreaktion. Und genau das macht diese Kommentarspalte so interessant. Nicht als Stimmungsbild für Deutschland. Sondern als Stimmungsbild für einen ganz bestimmten Mechanismus. 𝐑𝐮𝐧𝐝 𝟕𝟎 𝐏𝐫𝐨𝐳𝐞𝐧𝐭 𝐩𝐫𝐨 𝐀𝐟𝐃. 𝐔𝐧𝐝 𝐟𝐚𝐬𝐭 𝐤𝐞𝐢𝐧𝐞𝐫 𝐚𝐫𝐠𝐮𝐦𝐞𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐭. Hochgerechnet auf alle 2.500 Kommentare bedeutet das: Etwa 1.750 bis 1.800 Kommentare verteidigen die AfD oder greifen mich persönlich an. Rund 450 bis 500 sind zustimmend oder gegen die AfD positioniert. Etwa 150 bis 200 sind differenziert oder neutral. Der Rest ist Spam oder irrelevant. Das ist erwartbar – bei diesem Titel, bei dieser Zielgruppenansprache. Was nicht erwartbar sein sollte – aber leider ist – ist die Art, wie sie das tun. 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫 𝟏: 𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐩𝐢𝐞𝐠𝐞𝐥𝐮𝐧𝐠 – 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐚̈𝐭𝐳𝐭 𝐫𝐮𝐧𝐝 𝟏.𝟐𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. Die mit Abstand häufigste Reaktion – in rund zwei Dritteln aller pro-AfD-Kommentare, hochgerechnet also bei rund 1.200 der 2.500 – ist die exakt umgedrehte Frage: „Warum fallen noch so viele auf die Altparteien rein?“ Kein Gegenargument. Keine Widerlegung. Keine Quelle. Nur ein Spiegel, in den man die Frage zurückwirft. Das ist kein Diskurs. Das ist ein Reflex. Und es ist vor allem eines: ein rhetorischer Fluchtweg. Denn wer die Frage umdreht, muss sie nicht beantworten. 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫 𝟐: 𝐃𝐢𝐞 𝐔𝐧𝐬𝐜𝐡𝐮𝐥𝐝 𝐝𝐮𝐫𝐜𝐡 𝐔𝐧𝐭𝐚̈𝐭𝐢𝐠𝐤𝐞𝐢𝐭 – 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐚̈𝐭𝐳𝐭 𝐫𝐮𝐧𝐝 𝟓𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. „Die AfD hat noch nie regiert!“ – das kommt im Querschnitt bei rund 20 Prozent der pro-AfD-Kommentare vor. Hochgerechnet sind das etwa 500 Kommentare. Die Logik dahinter: Wer nie regiert hat, kann nichts falsch gemacht haben. Also muss man sie erstmal machen lassen. Das klingt oberflächlich fair. Ist es aber nicht. Man muss eine Partei nicht an die Macht lassen, um zu beurteilen, was sie vorhat. Man muss ihr Programm lesen. Man muss sich ihre Reden anhören. Man muss schauen, mit wem sie sich umgibt, woher ihr Geld kommt und was ihre Funktionäre vor Gericht verantworten. Und man muss auf die schauen, die es schon versucht haben. In Sonneberg sitzt seit 2024 ein AfD-Landrat. In den Kommentaren wird gefragt: „Hört man irgendwelche Probleme aus Sonneberg? Nein!“ Doch. Man hört welche. Man muss nur zuhören wollen. Aber das ist ja genau der Punkt. 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫 𝟑: 𝐃𝐢𝐞 𝐁𝐞𝐥𝐞𝐢𝐝𝐢𝐠𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐥𝐬 𝐄𝐫𝐬𝐚𝐭𝐳𝐡𝐚𝐧𝐝𝐥𝐮𝐧𝐠 – 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐚̈𝐭𝐳𝐭 𝐫𝐮𝐧𝐝 𝟔𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. Rund 24 Prozent der Kommentare im Querschnitt enthalten keine inhaltliche Aussage, sondern ausschließlich Angriffe. Hochgerechnet auf 2.500 sind das etwa 600 Kommentare – 600 Mal Wut ohne Inhalt. Hier eine kleine Auswahl dessen, was mir an den Kopf geknallt wird – wohlgemerkt als Reaktion auf einen quellenbasierten Text, in dem ich keine einzige Beleidigung ausspreche, keine einzige Behauptung ohne Beleg aufstelle und niemanden persönlich angreife: „Trottel.“ „Schwachkopf.“ „Kasper.“ „Geistiger Dünnschiss.“ „Spinner.“ „Dummes Geschwätz.“ „Hetzender Schwachkopf.“ „Weichei.“ „Gute Besserung du Opfer.“ „Zu oft als Baby auf den Kopf gefallen.“ „Ein Kondom hätte den Beitrag verhindern können.“ Einer schreibt mir, ich solle mir als „kleiner, unbedeutender Autor“ gut überlegen, ob ich es mir leisten könne, „12 Millionen Menschen vor den Kopf zu stoßen“ – und zählt brav auf, welchen Prominenten ihre AfD-Kritik geschadet habe. Das klingt weniger nach Meinungsfreiheit und mehr nach Einschüchterung. Ein anderer bezeichnet mich als „Spalter und Hetzer“ – in einem Kommentar, der selbst nichts anderes tut als spalten und hetzen. Und wieder ein anderer findet, ein Kondom hätte meinen Beitrag verhindern können – was als Argument eher in die Kategorie „biologische Meinungsäußerung“ fällt. Ich fasse zusammen: Ich schreibe einen Beitrag mit Quellen, Struktur und Argumentation. Die Antwort ist eine Flut aus Wut, Verachtung und Fortpflanzungsratschlägen. Und dann heißt es, ich sei der Hetzer. Gerhard Thelen, einer der wenigen, die sich differenziert geäußert haben, hat es auf den Punkt gebracht: Der Autor nennt Quellen. Die Gegenseite liefert Beleidigungen und vorgefertigte Phrasen. Wer in einem Spektrum von ganz rechts bis ganz links pauschal von „Altparteien“ spricht, hat entweder etwas nicht verstanden – oder will nicht verstehen. 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫 𝟒: 𝐄𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐒𝐨𝐫𝐠𝐞𝐧, 𝐟𝐚𝐥𝐬𝐜𝐡𝐞 𝐀𝐝𝐫𝐞𝐬𝐬𝐞 – 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐚̈𝐭𝐳𝐭 𝐫𝐮𝐧𝐝 𝟑𝟓𝟎 𝐛𝐢𝐬 𝟒𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. Etwa 14 bis 16 Prozent der pro-AfD-Kommentare benennen echte Probleme: Spritpreise. Kaufkraftverlust. Altersarmut. Migration. Insolvenzen. Hochgerechnet sind das rund 350 bis 400 Kommentare. Das sind reale Themen. Die gehören diskutiert. Und ich habe in meinem Ausgangsbeitrag explizit gesagt: Diese Gefühle sind echt. Sie sind nicht eingebildet. Das Leben wird teurer. Das System fühlt sich ungerecht an. Und wer das empfindet, hat dafür gute Gründe. Aber in fast keinem dieser Kommentare wird erklärt, welche AfD-Lösung konkret helfen soll. Es reicht offenbar, dass jemand sagt: „Die anderen sind schuld.“ Das genügt als Programm. Frust ist kein Konzept. Und Wut ist kein Regierungsplan. 𝐌𝐮𝐬𝐭𝐞𝐫 𝟓: 𝐃𝐚𝐬 𝐕𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐰𝐨̈𝐫𝐮𝐧𝐠𝐬𝐩𝐚𝐤𝐞𝐭 – 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐚̈𝐭𝐳𝐭 𝐫𝐮𝐧𝐝 𝟐𝟎𝟎 𝐊𝐨𝐦𝐞𝐧𝐭𝐚𝐫𝐞. Bei etwa 8 Prozent wird es richtig düster: Wahlbetrug. Lügenpresse. Gekaufte Wissenschaft. Corona-Diktatur. „Linksfaschismus.“ Hochgerechnet auf 2.500 sind das rund 200 Kommentare. Einer schreibt: „Die Anthropogenese des Klimawandels ist Hirnwichse. Gekaufte Wissenschaft.“ Ein anderer erklärt: „Die Demokratie wurde mit Corona beendet.“ Das sind keine Meinungen. Das sind geschlossene Weltbilder, die sich gegen jede Überprüfung immunisiert haben. Wer dort angekommen ist, diskutiert nicht mehr. Der verteidigt eine Identität. Und jeder Fakt, der dieser Identität widerspricht, wird zum Beweis für die Verschwörung. 𝐃𝐚𝐬 𝐋𝐢𝐞𝐛𝐥𝐢𝐧𝐠𝐬𝐰𝐨𝐫𝐭: „𝐀𝐥𝐭𝐩𝐚𝐫𝐭𝐞𝐢𝐞𝐧“. 𝐔𝐧𝐝 𝐰𝐚𝐫𝐮𝐦 𝐞𝐬 𝐦𝐞𝐡𝐫 𝐯𝐞𝐫𝐫𝐚̈𝐭, 𝐚𝐥𝐬 𝐝𝐢𝐞 𝐦𝐞𝐢𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐚𝐡𝐧𝐞𝐧. Dieser Begriff fällt in der Kommentarspalte häufiger als jeder andere. CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP – alles wird in einen Topf geworfen. Alles gleich. Alles schuldig. Alles „System“. Die Grünen, gegründet 1980 als Protestpartei gegen genau dieses Establishment, sind damit genauso „Altpartei“ wie die CDU, die seit 1945 existiert. Der Begriff differenziert nicht. Er sortiert nicht. Er hat keine analytische Funktion. Er ist ein Kampfwort mit einer einzigen Botschaft: Alle anderen = ein korrupter Block. Nur die AfD = neu und sauber. Und genau hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Kein theoretischer – ein sehr konkreter. Die NSDAP sprach in den 1920er und 1930er Jahren von „Systemparteien“ und „Altparteien“. Die Funktion war identisch: Die gesamte Weimarer Demokratie – von der SPD über das Zentrum bis zu den Liberalen – wurde als ein einziger feindlicher Block geframt. Es ging nie darum, einzelne Parteien inhaltlich zu kritisieren. Es ging darum, das demokratische System als Ganzes zu delegitimieren. Und sich selbst als einzige echte Alternative zu inszenieren – als „Bewegung“, nicht als Partei. Die NSDAP verachtete den Parlamentarismus. Sie sprach vom „Volkswillen“, der angeblich nur durch sie vertreten werde. Sie bezeichnete die Presse als feindliche Propaganda, Wissenschaft als gekauft, Wahlergebnisse als manipuliert, Richter als systemhörig und kritische Stimmen als „Volksverräter“. Jetzt lies noch mal durch die Kommentare unter meinem Beitrag: „Kartellparteien.“ „Lügenpresse.“ „Wahlbetrug.“ „Gekaufte Wissenschaft.“ „Linksfaschisten.“ „Volksverräter.“ „Systemparteien.“ Die NSDAP sprach von „Systemparteien“ – die AfD nennt sie „Kartellparteien“ oder „Altparteien“. Die NSDAP diffamierte die Presse als „Lügenpresse“ – die AfD verwendet denselben Begriff im selben Tonfall. Die NSDAP sprach vom „Volkswillen“, den nur sie vertrete – die AfD behauptet, die einzige Stimme „des Volkes“ zu sein. Die NSDAP erklärte Wahlergebnisse für manipuliert, wenn sie nicht passten – AfD-Anhänger sprechen bei jeder ungünstigen Wahl von „Wahlbetrug“. Die NSDAP nannte Wissenschaftler, die ihr widersprachen, „gekauft“ – die AfD tut dasselbe beim Klimawandel. Die NSDAP bezeichnete Kritiker als „Volksverräter“ – in AfD-Kommentarspalten heißt es „Vaterlandshasser“ und „Deutschlandfeinde“. Die NSDAP inszenierte sich als „Bewegung“ jenseits des Parteiensystems – die AfD nennt sich „Alternative“ und stellt sich außerhalb des demokratischen Spektrums. Die Sprache ist aufgewärmt. Die Methode ist recycelt. Das Logo ist neu. Aber das Betriebssystem ist alt. Und die meisten, die es nachsprechen, wissen nicht einmal, woher es kommt. Das macht es nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil. Denn die AfD ist nicht neu, weil sie einen neuen Namen hat. Eine Partei, die dieselben Feindbilder benutzt, dieselbe Sprache spricht und dieselben Mechanismen anwendet wie eine Partei, die es schon einmal gab, ist keine Alternative. Sie ist eine Wiederholung. Nur mit besserem Marketing. 𝐄𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐌𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧, 𝐁𝐨𝐭𝐬 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐓𝐫𝐨𝐥𝐥𝐞? Eine Frage, die sich bei 2.500 Kommentaren aufdrängt: Sind das alles echte Leute? Ich habe mir die 250 Kommentare im Detail angesehen. Und die ehrliche Antwort ist: Es ist eine Mischung. Und genau das macht die Sache so wirksam. Ein Teil davon sind zweifellos echte Menschen mit echtem Frust. Die schreiben in ihrem eigenen Stil, machen Tippfehler, erzählen von ihren Spritkosten und Rentenängsten. Die muss man ernst nehmen, auch wenn man ihre Schlüsse nicht teilt. Das tue ich. Aber es gibt Muster, die auffallen. Da sind Kommentare, die fast wortgleich denselben Satz verwenden – „Warum fallen noch so viele auf die Altparteien rein?“ – als wäre er von einer Vorlage abgeschrieben. Dutzende Male, mit minimalen Variationen. Bei 2.500 Kommentaren reden wir hochgerechnet von Hunderten nahezu identischer Formulierungen. Manche Profile posten massenhaft unter politischen Beiträgen, immer die gleichen Phrasen, immer den gleichen Tonfall. Manche Accounts existieren erst seit Wochen, haben kein erkennbares Privatleben, keine eigenen Fotos, kaum Freunde – aber eine beeindruckende Taktung an politischen Kommentaren. Und dann sind da die, die offensichtlich gar nicht in Deutschland sitzen. Wir wissen aus Studien, aus Berichten des Verfassungsschutzes, europäischer Ermittlungsbehörden und investigativer Rechercheteams wie Correctiv, dass russische Desinformationskampagnen systematisch auf deutsche Social-Media-Diskussionen Einfluss nehmen. Sie nutzen Fake-Accounts, Botnetzwerke und koordinierte Kommentarfluten, um politische Stimmungen zu verstärken und Spaltung zu fördern. Die AfD ist nachweislich in prorussische Netzwerke eingebunden. Das sind keine Behauptungen. Das ist dokumentiert. Heißt das, jeder AfD-Kommentar unter meinem Beitrag ist ein Bot? Nein. Natürlich nicht. Aber es heißt, dass ein Teil dieser Kommentarflut künstlich verstärkt wird. Dass manche der lautesten Stimmen keine echten Bürger sind, sondern Werkzeuge einer Kampagne. Und dass die echten Bürger, die dazwischensitzen, das oft gar nicht merken – weil die Bots und Trolle genau die Sprache sprechen, die sich richtig anfühlt. Das ist der eigentliche Trick. Nicht die Lüge. Sondern die Verstärkung des Gefühls, dass alle so denken. Dass man in der Mehrheit ist. Dass „das Volk“ geschlossen hinter der AfD steht. Und dass jeder, der widerspricht, ein bezahlter Propagandist sein muss. Das Gegenteil ist der Fall. Aber genau das soll man nicht glauben. 𝐖𝐚𝐬 𝐦𝐢𝐫 𝐯𝐨𝐫𝐠𝐞𝐰𝐨𝐫𝐟𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐫𝐝 – 𝐮𝐧𝐝 𝐰𝐚𝐫𝐮𝐦 𝐞𝐬 𝐠𝐞𝐧𝐚𝐮 𝐝𝐚𝐬 𝐛𝐞𝐰𝐞𝐢𝐬𝐭, 𝐰𝐚𝐬 𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐞𝐬𝐜𝐡𝐫𝐢𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐡𝐚𝐛𝐞. Fassen wir zusammen, was in 2.500 Kommentaren passiert: Ich schreibe einen Beitrag mit konkreten Belegen und verlinke die Quellen. Die Antwort: geschätzt 600 Beleidigungen, 1.200 Spiegelungen, 200 Verschwörungstheorien und der flächendeckende Vorwurf, ich sei ein Hetzer. Kein einziger meiner Fakten wurde widerlegt. Kein einziges meiner Argumente wurde inhaltlich entkräftet. Stattdessen wird mir erklärt, ich sei ein Spalter – von Leuten, die im selben Atemzug ganze Bevölkerungsgruppen als „Vollidioten“, „Schafe“, „linksversiffte Arschlöcher“ oder „geistig Behinderte“ bezeichnen. Das ist kein Widerspruch. Das ist ein Muster. Und es ist exakt das Muster, das mein Beitrag beschrieben hat. 𝐖𝐚𝐫𝐮𝐦 𝐢𝐜𝐡 𝐭𝐫𝐨𝐭𝐳𝐝𝐞𝐦 𝐚𝐧𝐭𝐰𝐨𝐫𝐭𝐞. Ich bekomme regelmäßig die Frage: Warum antwortest du denen überhaupt? Du fütterst doch nur die Trolle. Die Antwort ist einfach: Ich antworte nicht für die Trolle. Ich antworte nicht für den Bot aus Sankt Petersburg. Und ich antworte nicht für den Typen, der mir rät, mich fortzupflanzen zu unterlassen. Ich antworte für die Leute, die mitlesen. Und das sind viele. Mehr als man denkt. Ich sehe das an den Reaktionen im Hintergrund. An den privaten Nachrichten von Leuten, die sich öffentlich nicht trauen, etwas zu sagen – weil sie sehen, was passiert, wenn man es tut. An den stillen Likes. An den Leuten, die meinen Beitrag teilen, ohne zu kommentieren. An denen, die mir schreiben: „Danke, dass du das durchhältst.“ Die gibt es. Und sie sind keine Minderheit. Sie sind nur leiser. Weil die Lauten den Raum dominieren. Und genau deshalb antworte ich. Nicht, weil ich irgendeinen Troll bekehren will. Sondern weil Schweigen in einer Kommentarspalte immer so aussieht, als hätte die lauteste Stimme gewonnen. Und das hat sie nicht. Ich lasse mich nicht einschüchtern. Nicht von Beleidigungen. Nicht von Drohgebärden. Nicht von dem Hinweis, dass ich mir als „kleiner Autor“ gut überlegen solle, wen ich kritisiere. Gerade weil ich nicht groß bin, gerade weil ich kein Medienkonzern bin, gerade weil ich nur ein Typ mit einer Tastatur und einem Substack-Account bin – gerade deshalb ist es wichtig, dass ich das schreibe. Denn wenn nur noch die schreien, die nichts zu sagen haben, hört irgendwann keiner mehr hin. Und das wäre der eigentliche Sieg der Trolle. Wer mitliest und sich nicht traut: Du musst nicht kommentieren. Du musst nicht dagegenhalten. Du musst nur wissen, dass du nicht allein bist. Und dass die, die am lautesten brüllen, selten die sind, die am meisten zu sagen haben. 📷 Die Analyse basiert auf einem Querschnitt von 250 Kommentaren, hochgerechnet auf rund 2.500. Wer mehr lesen will: Der Originalbeitrag steht weiterhin offen. Alles nachprüfbar. Das Erschreckendste ist nicht die Wut. Wut ist menschlich. Das Erschreckendste ist die Uniformität. Aus 2.500 Kommentaren kommen im Grunde fünf Reaktionen – und keine davon ist ein Argument. Das ist keine politische Meinungsbildung. Das ist ein Echoraum, der sich selbst für Demokratie hält. Dann die Zahlen selbst: Hochgerechnet 1.200 Kommentare, die exakt denselben Satz in Variationen wiederholen. Das ist kein Zufall und kein organisches Diskussionsverhalten. Das ist entweder ein massives Gruppendenken oder teilweise gesteuert – vermutlich beides. Und dann die Beleidigungen. 600 Kommentare, die auf einen quellenbasierten Text mit nichts anderem antworten als persönlichen Angriffen. Das zeigt, dass der Text funktioniert hat – aber es zeigt auch, wie dünn die Schicht zwischen Frustbürger und enthemmter Aggression geworden ist. Am meisten sollte aber das NSDAP-Muster beunruhigen. Nicht weil jeder AfD-Wähler ein Nazi ist – das wäre Unsinn. Sondern weil die Leute diese Begriffe benutzen, ohne zu wissen, woher sie kommen. Sie sprechen eine Sprache, deren Herkunft sie nicht kennen. Und genau das war auch in den 1930ern so. Die meisten, die damals „Systemparteien" sagten, hielten sich auch für ganz normale, besorgte Bürger.
















‘I couldn't believe it, but it's true. Zelensky threatened Orbán with sending soldiers’ – Vance revealed what discovery he made about the Kyiv regime in Budapest. ‘Until yesterday, I didn't even know that Zelensky had declared his intention to send soldiers to the Prime Minister's residence. Viktor told me about it, and then I checked the information. I almost couldn't believe it was true, but it really is. This is completely scandalous. It should never happen that a foreign head of government or state threatens the head of government of an allied country. This is absurd. This is unacceptable’. - SK






















