Furor Teutonicus@Regenbogenpfert
„Verrückt“ ist daran nicht die Reichweite.
Verrückt ist, ein vierstündiges Gespräch mit Björn Höcke zu führen, völkische Begriffe, institutionenfeindliche Frames und demokratiezersetzende Erzählungen weitgehend durchlaufen zu lassen – und danach vor allem auf die Performance-Zahlen zu schauen.
Wer so ein Gespräch führt, trägt Verantwortung.
Nicht, weil man mit Höcke grundsätzlich nicht reden dürfte. Sondern weil man mit ihm nicht reden kann, als wäre er einfach ein kontroverser Lehrer aus Thüringen mit ein paar steilen Thesen.
Hier saß kein missverstandener Bürger am Mikrofon, sondern einer der zentralen Akteure der radikalisierten AfD. Einer, dessen politische Sprache seit Jahren um Volk, Blut, Remigration, „Altparteien“, „System“, „Kartell“, angebliche Demokratie-Simulation und institutionelle Säuberungsfantasien kreist.
Wenn man das nicht einordnet, nicht hart nachfragt, nicht widerspricht, nicht kontextualisiert, dann ist das kein mutiges Gespräch.
Dann ist es ein Normalisierungsraum.
Und genau deshalb ist dieser Reichweiten-Screenshot so entlarvend:
Aus einem politischen Risiko für die demokratische Öffentlichkeit wird Content-Erfolg.
616.000 Aufrufe.
35 Minuten durchschnittliche Wiedergabe.
Algorithmus zufrieden.
Höcke zufrieden.
Die Inszenierung funktioniert.
Nur die Einordnung fehlt.
Das Problem ist nicht, dass Höcke reden durfte.
Das Problem ist, dass er reden durfte, als müsste man ihm nur lange genug zuhören, damit aus Rechtsextremismus Charaktertiefe wird.