💙💛 Regina Laska@Sunnymica
Ein FBI-Dokument, eine Tote und eine Justizministerin, die schreit
Es gibt ein Dokument. Es liegt seit Oktober 2020 beim FBI. Es ist ein Bericht über einen Limousinenfahrer aus der Gegend von Dallas/Fort Worth, der Donald Trump gefahren hat.
Der Mann rief eine Woche vor der Präsidentschaftswahl 2020 beim FBI an und berichtete zweierlei:
Erstens habe er Trump vom DFW Airport abgeholt. Während der Fahrt habe Trump telefoniert, dabei wiederholt den Namen „Jeff“ erwähnt und über „abusing some girl“ gesprochen.
Der gleiche Fahrer berichtet, eine Frau habe ihm nach einem Treffen mit Trump erzählt, dass Donald J. Trump sie zusammen mit Jeffrey Epstein vergewaltigt habe. Zudem kannte der Fahrer eine Frau, die behauptet hatte, von Epstein missbraucht worden zu sein.
Dieser Frau wurde später der Kopf weggeschossen. Zumindest sollen die ermittelnden Polizisten festgestellt haben: Das kann kein Selbstmord gewesen sein.
Ob es sich bei dem Vergewaltigungsopfer und der Toten um ein und dieselbe Person handelt oder um zwei verschiedene Frauen, lässt sich aus dem stark geschwärzten Dokument nicht schließen.
Das alles steht in den Akten des US-Justizministeriums. In den Akten, die Justizministerin Pam Bondi unter Verschluss hält, schwärzt, verzögert und vor dem Kongress verteidigt, als ginge es um Staatsgeheimnisse.
In den Akten, über die sie vor Verlesung der eben erwähnten mutmaßlichen Gräueltaten heute unter Eid sagte: „Es gibt keine Beweise dafür, dass Donald Trump eine Straftat begangen hat.“
Das Dokument liegt in ihrem Ministerium. Niemand hat den Zeugen je befragt.
Heute, am 11. Februar 2026, saß Bondi vor dem House Judiciary Committee, und was dort passierte, war keine normale Anhörung. Es war ein Offenbarungseid der amerikanischen Justiz. Und gleichzeitig ein Moment, in dem die Fassade endgültig Risse bekam – von beiden Seiten des politischen Spektrums.
Es war Ted Lieu, ein demokratischer Abgeordneter aus Kalifornien, der das besagte Dokument vorlas. Vorher zeigte er Bondi ein Foto des ehemaligen Prinz Andrew, das aus den Epstein-Akten stammt – der ehemalige Royal auf allen Vieren über einer unbekannten Frau.
Er fragte, warum das nicht ausreiche, um eine Ermittlung einzuleiten. Bondi wich aus und verwies auf ihren Vorgänger Merrick Garland, wohl um auszudrücken, er habe ja auch nichts unternommen. Lieu stimmte zu: Ja, auch Garland habe versagt.
Dann spielte er ein Video ab, das Trump und Epstein zusammen auf einer Party zeigt, und fragte: „Waren minderjährige Mädchen auf dieser Party oder irgendeiner Party, an der Trump mit Epstein teilnahm?“
Bondis Antwort: „Das ist so lächerlich.“
Dann las Lieu aus dem FBI-Bericht vor. Über den Fahrer, die Vergewaltigungsvorwürfe, die erschossene Frau. Und konfrontierte Bondi mit ihrer Aussage unter Eid: Sie habe soeben gesagt, es gebe keine Beweise. Dabei zeigte er ihr die Zeugenaussage beim FBI und kam zu dem Schluss: Das sei ein Widerspruch. Das könnte Meineid sein.
„Beschuldigen Sie mich ja nicht eines Verbrechens” schrie Bondi.
Das muss man sich vorstellen. Die oberste Strafverfolgerin der Vereinigten Staaten wird mit einem Dokument aus ihrem eigenen Ministerium konfrontiert, in dem ein Zeuge eine Vergewaltigung durch den amtierenden Präsidenten schildert und den Tod einer möglichen weiteren Zeugin beschreibt – und ihre Reaktion ist nicht: „Wir werden dem nachgehen.“ Ihre Reaktion ist: Wie man es wagen könne, sie eines Verbrechens zu bezichtigen.
Lieu forderte: Niemand vom Justizministerium hat diesen Zeugen befragt. Sie müssen diesen Zeugen unverzüglich befragen.
Es war nicht der einzige Moment dieser Art. Diese Anhörung war eine Kaskade des Schreckens:
Pramila Jayapal, Demokratin aus Washington, bat die elf Epstein-Überlebenden im Publikum aufzustehen. Alle elf erhoben sich. Jayapal fragte, wer von ihnen noch nie vom Trump-Justizministerium empfangen wurde. Alle elf hoben die Hand. Dann bat sie Bondi, sich umzudrehen und sich bei den Opfern zu entschuldigen.
Bondi weigerte sich und sprach von „Theatralik“. Es kam zu einem Schreiduell.
Jerry Nadler fragte Bondi direkt: „Wie viele von Epsteins Mittätern haben Sie angeklagt? Wie viele werden überhaupt ermittelt?” Bondi, wieder brüllend: „Ich werde die Frage in der Art beantworten, wie ich das möchte!“ Der Anwort Nadlers wich sie aus. Sie war: Null. Kein einziger Mittäter wurde angeklagt. Und das bei über 1.000 identifizierten Opfern.
Stattdessen begann Bondi, über den Dow Jones zu reden. Der stehe über 50.000.
Jamie Raskin, der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, sagte ihr ins Gesicht: „Sie betreiben direkt aus dem Justizministerium heraus eine gigantische Vertuschungsaktion im Falle Epstein.“
Er erinnerte daran, dass von über 6 Millionen Seiten nur 3,5 Millionen veröffentlicht wurden. Der Rest werde mit Verweis auf juristische Schutzrechte zurückgehalten. Gleichzeitig seien die Namen von Opfern ungeschwärzt veröffentlicht worden – während die Namen mutmaßlicher Täter geschützt blieben.
Die Überlebenden im Saal trugen weiße T-Shirts mit geschwärzten Worten. Darauf stand: „Die Wahrheit ist, die Epstein-Überlebenden warten noch immer.“
Sky Roberts, Bruder der Epstein-Überlebenden Virginia Giuffre, die sich das Leben nahm, sagte vor der Anhörung: „Die Art und Weise, wie diese Regierung und insbesondere Sie mit den Überlebenden umgegangen sind, kann nur als Versagen bezeichnet werden.“
Und dann kam Thomas Massie. Republikaner. Kentucky. Co-Autor des Gesetzes, das die Veröffentlichung der Epstein-Akten erzwang. Er ging Bondi härter an als die meisten Demokraten: „Sie haben den Überlebenden im wahrsten Sinne des Wortes das Schlimmste angetan, was man ihnen antun konnte.“
Er konfrontierte sie damit, dass der Name von Milliardär Les Wexner, den das FBI als „Mitverschwörer“ geführt hatte, in den Dokumenten geschwärzt worden war. Bondis Ministerium habe den Namen erst wieder sichtbar gemacht, nachdem Massie sie auf frischer Tat ertappt habe. „In nur 40 Minuten hatte ich Sie auf frischer Tat ertappt.“, sagte Massie.
Bondis Antwort an den Republikaner, der ihr Gesetz mitgeschrieben hat? Sie warf ihm das „Trump Derangement Syndrome“ vor und nannte ihn einen „Heuchler“. Wohlgemerkt ein Mitglied ihrer eigenen Partei.
Einen Tag zuvor hatten Massie und der Demokrat Ro Khanna zwei Stunden im Justizministerium gesessen und die ungeschwärzten Akten gelesen. In zwei Stunden fanden sie sechs Namen von Männern, die ohne erkennbaren Rechtsgrund geschwärzt worden waren.
Khanna verlas die Namen am Dienstag im Repräsentantenhaus: Salvatore Nuara, Zurab Mikeladze, Leonic Leonov, Nicola Caputo, Sultan Ahmed Bin Sulayem – CEO von Dubai Ports World – und Leslie Wexner, Milliardär und Victoria‘s-Secret-Gründer, den das FBI als Epstein-Mittäter eingestuft hatte.
Khannas Frage: „Wenn wir innerhalb von zwei Stunden sechs Personen entdeckt haben, die dort versteckt waren, stellen Sie sich vor, wie viele Personen in diesen 3 Millionen Akten möglicherweise noch verborgen sind.“
Und dann ist da noch Howard Lutnick, Trumps Handelsminister. Er hatte behauptet, seit 2005 keinen Kontakt mehr zu Epstein gehabt zu haben. Am Dienstag gestand er vor dem Senat ein, dass er 2012 mit seiner Familie auf Epsteins Privatinsel zum Mittagessen war.
Der Insel, die als „Pedophile Island“ bekannt ist. Lutnick sagte, er habe „eine Stunde lang“ dort zu Mittag gegessen. Selbst die Republikanerin Nancy Mace sagte danach: „Als Mutter würde ich nicht mit einem verurteilten Pädophilen zu Mittag essen.“
Und die republikanische Senatorin Cynthia Lummis, die das Thema lange ignoriert hatte, sagte nach dem Lesen der ungeschwärzten Akten: „Jetzt verstehe ich, warum das so eine große Sache ist.“ Sie hatte darin Fälle gefunden, in denen die Opfer neun Jahre alt waren.
Neun.
Fassen wir zusammen, was wir wissen:
Es gibt ein FBI-Dokument, das einen Zeugen beschreibt, der Donald Trump und Jeffrey Epstein gemeinsam einer Vergewaltigung beschuldigt. Der Zeuge kannte zudem eine Frau, die behauptete, von Epstein missbraucht worden zu sein – sie wurde erschossen, kein Selbstmord laut Polizei. Ob es sich bei den Schilderungen um ein und dieselbe Frau handelt, ist aus dem geschwärzten Dokument nicht erkennbar. Das DOJ hat den Zeugen nie befragt. Die Justizministerin behauptet unter Eid, es gebe keine Beweise. Sie schreit jeden an, der fragt. Sie schwärzt die Namen mutmaßlicher Täter und veröffentlicht die Namen der Opfer. Null Anklagen bei über 1.000 Opfern. Und wenn man sie darauf anspricht, redet sie über den Dow Jones.
Natürlich müssen wir fair bleiben: Der Zeuge kann die Unwahrheit gesagt haben. Die Aussage kann falsch sein, übertrieben, aus Eigeninteresse motiviert. All das ist möglich. Aber genau dafür existieren Ermittlungen. Man prüft Aussagen. Man befragt Zeugen. Man recherchiert, wer die tote Frau war. Man findet heraus, was die Polizei damals festgestellt hat. Das ist der Sinn eines Justizministeriums.
Stattdessen: Schwärzungen. Verzögerung. Geschrei. Und eine Frau auf dem Stuhl der Justizministerin, die bei dem Wort „Epstein“ reflexhaft „Trump Derangement Syndrome“ schreit – egal ob der Fragende ein Demokrat oder ein Republikaner ist.
Dies ist kein Parteienproblem. Massie ist Republikaner. Khanna ist Demokrat. Die Überlebenden sind von keiner Partei. Die tote Frau aus dem FBI-Bericht war von keiner Partei. Und die Frage, ob der Präsident der Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem berüchtigtsten Sexualstraftäter der jüngeren Geschichte ein Verbrechen begangen hat, ist keine Frage von links oder rechts. Es ist eine Frage der Justiz. Und die Justizministerin weigert sich, sie auch nur zu stellen.
Das ist der Stand der Dinge im Amerika des Jahres 2026. Alles liegt auf dem Tisch. Und die Regierung tut so, als gäbe es nichts Wichtigeres als den Dow Jones.