
@knuff37
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Wenn die Vernunft endet, beginnt der Wahnsinn... Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen... (Esther Bejarano)








Jeden Tag ein bisschen @AfD-Programm aus Sachsen-Anhalt. Heute: XV. Medien Oder: Pressefreiheit ja, aber bitte nur mit Applaus für die AfD. Willkommen im Ministerium für die einzig wahre Wahrheit. Im Medienkapitel präsentiert sich die AfD einmal mehr als vermeintliche Retterin der Meinungsfreiheit. Liest man das Programm jedoch aufmerksam, entsteht schnell der Eindruck, dass Meinungsfreiheit offenbar vor allem dann als solche gilt, wenn Medien genau das berichten, was der Partei gefällt. Kritische Berichterstattung wird dagegen schnell als ideologisch, parteiisch oder manipulativ dargestellt. Das ist schon eine bemerkenswerte Definition von Pressefreiheit. Besonders ironisch ist die Forderung nach politischer Neutralität der Medien. Ausgerechnet eine Partei, deren Spitzenpolitiker Journalisten regelmäßig als Lügenpresse beschimpfen, Reporter persönlich angreifen und kritische Medien pauschal diskreditieren, möchte nun festlegen, was neutraler Journalismus sein soll. Das wirkt ungefähr so glaubwürdig, wie wenn ein Fußballspieler den Schiedsrichter neunzig Minuten lang beleidigt und sich anschließend darüber beschwert, dass dieser nicht objektiv genug gepfiffen habe. Natürlich ist Kritik am öffentlich rechtlichen Rundfunk legitim. Die Skandale um den RBB oder überhöhte Intendantengehälter haben gezeigt, dass Reformen notwendig sind. Aus einzelnen Fehlentwicklungen jedoch abzuleiten, das gesamte System müsse zerschlagen oder massiv geschwächt werden, ist ungefähr so sinnvoll, wie nach einem Motorschaden das komplette Auto zu verschrotten, obwohl nur ein Bauteil kaputt ist. Auffällig ist außerdem, dass die AfD ständig von Meinungsvielfalt spricht, gleichzeitig aber genau jene Institutionen angreift, die unterschiedliche Perspektiven ermöglichen sollen. Eine freie Medienlandschaft lebt davon, dass Journalisten recherchieren, Missstände aufdecken und auch Regierungen oder Oppositionsparteien kritisch hinterfragen. Genau das scheint jedoch immer dann ein Problem zu sein, wenn die Kritik die AfD selbst betrifft. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die AfD gern als Opfer einer angeblich gleichgeschalteten Medienlandschaft inszeniert. Gleichzeitig erhält sie seit Jahren enorme mediale Aufmerksamkeit. Ob Talkshows, Interviews oder Nachrichtensendungen. Kaum eine Partei ist derart präsent. Dass kritische Nachfragen zum politischen Alltag gehören, scheint dabei regelmäßig als Angriff auf die Meinungsfreiheit missverstanden zu werden. Dabei ist genau das die Aufgabe freier Medien. Sie sollen Politik kontrollieren und nicht ihr Fanclub sein. Am Ende bleibt deshalb der Eindruck, dass die AfD gar kein Problem mit politischen Medien hat. Sie hat vor allem ein Problem mit Medien, die ihre Aussagen überprüfen, Widersprüche aufzeigen und Falschbehauptungen einordnen. Würden Journalisten stattdessen einfach jede Behauptung unkritisch übernehmen, wäre von angeblicher Medienmanipulation wahrscheinlich kaum noch die Rede. Neutral wäre dann offenbar alles, was der AfD zustimmt. Das Medienkapitel wirkt deshalb weniger wie ein Plädoyer für Pressefreiheit als vielmehr wie eine Wunschliste für ein Mediensystem, das seltener widerspricht und häufiger applaudiert. Genau deshalb ist eine unabhängige Presse in einer Demokratie so wichtig. Sie soll Macht kontrollieren und nicht ihr gefallen. Wer ständig behauptet, für Meinungsfreiheit zu kämpfen, während er kritische Berichterstattung systematisch diskreditiert, verwechselt Pressefreiheit offenbar mit dem Wunsch nach einer Presse, die vor allem Beifall klatscht. afd-regierungsprogramm.de





















