lsmaik 1860 Munich@ismaik1860
Liebe Löwen,
vorneweg: Ich liebe Deutschland. Seine Geschichte, seine Denker und Lenker, seine Landschaften. Aber auch den Fleiß, die Innovationskraft und die industrielle Stärke, die dieses Land jahrzehntelang geprägt haben. Doch genau dieses Fundament scheint zu bröckeln – nicht erst seit gestern, aber inzwischen unübersehbar.
Ein Blick auf die aktuelle Grafik des OECD Economic Outlook reicht: Deutschland zählt zu den Konjunkturschlusslichtern. Länder wie Indien, China, die USA – sogar Russland und Kanada – überholen uns im globalen Wachstumswettlauf. China trägt mittlerweile über 30 Prozent zur weltweiten Industrieproduktion bei – und baut seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Und Deutschland? Diskutiert, zaudert, streitet. Während andere handeln, verharrt Deutschland in politischen Grabenkämpfen und struktureller Trägheit.
Was hat das mit Fußball zu tun? Sehr viel. Denn der Zustand des deutschen Fußballs ist ein Spiegelbild genau dieser Entwicklung. Auch hier erleben wir einen schleichenden Niedergang – über Jahre kaschiert durch Einzelerfolge, inzwischen aber offensichtlich.
Die Bundesliga wird beim DFB zwar weiterhin als „Premiumprodukt“ gepriesen – doch ein kurzer Blick auf die Halbfinals der europäischen Wettbewerbe zeigt die Realität: Keine deutsche Mannschaft ist mehr im Rennen. Der FC Bayern scheitert verdient an Inter Mailand, Dortmund scheidet gegen den FC Barcelona aus, Eintracht Frankfurt verabschiedet sich gegen Tottenham – eine Mannschaft, die selbst in der Premier League nicht zur Elite zählt.
Gleichzeitig stehen vier englische Teams im Halbfinale, dazu drei aus Spanien, zwei aus Italien, eins aus Frankreich. Sogar Norwegen und Schweden sind mit jeweils einer Mannschaft vertreten. Deutschland? Spielt nicht mehr mit – weder sportlich noch strategisch.
Wer glaubt, das sei nur eine schwache Saison, der irrt. Der deutsche Fußball hat, genau wie die deutsche Wirtschaft, ein Strukturproblem:
Fehlender Mut zur Veränderung – sowohl auf dem Platz als auch in der Verbandsarbeit. Verwaltungsmentalität statt Wettbewerbsdenken – bei DFB und DFL wie in vielen Ministerien.
Rückständige Systeme – sei es in der Nachwuchsförderung oder in der Energiepolitik. Selbstzufriedenheit – statt der Bereitschaft, sich neu zu erfinden.
Was wir hier sehen, ist mehr als eine sportliche Schwächephase. Es ist ein kulturübergreifender Stillstand.
Es reicht nicht mehr, nur zu verwalten. Deutschland braucht wieder den Mut, vorauszugehen. In der Wirtschaft wie im Fußball.
Einmal Löwe, immer Löwe
Hasan Ismaik